Abron kam näher, unaufgefordert. "Ich weiß, daß es dir nicht gefällt, daß ich so oft in der Stadt bin und Bücher lese. Aber ich kann nicht anders, Vater, es ist so interessant…diese anderen Welten…es gibt so viel zu lernen – so viele Arten, wie Menschen leben…"

"Ich will davon nichts hören. Für dich gibt es nur eine Art zu leben. Du hast von mir alles gelernt, was ein Haarteppichknüpfer wissen muß, das ist genug. Du kannst alle Knoten knüpfen, du bist eingeweiht in die Imprägnierungen und in die Färbetechniken, und du kennst die überlieferten Muster. Wenn du deinen Teppich entworfen hast, wirst du dir eine Frau nehmen, und ihr werdet viele Töchter haben mit verschiedenfarbigen Haaren. Und zur Hochzeit werde ich meinen Teppich vom Knüpfrahmen schneiden, umsäumen und dir schenken, und du wirst ihn in der Stadt an die kaiserlichen Händler verkaufen. So habe ich es mit dem Teppich meines Vaters getan, und so hat er es zuvor mit dem Teppich seines Vaters getan, und dieser davor mit dem Teppich seines Vaters, meines Urgroßvaters; so geht es von Generation zu Generation, seit Tausenden von Jahren. Und so wie ich meine Schuld an dir abbezahle, so wirst du deine Schuld an deinem Sohn abbezahlen, und dieser wiederum an seinem Sohn und so fort. So war es schon immer, und so wird es immer sein."

Abron seufzte gequält. "Ja, sicher, Vater, aber ich bin nicht glücklich bei dieser Vorstellung. Am liebsten möchte ich gar kein Haarteppichknüpfer sein."

"Ich bin ein Haarteppichknüpfer, und deswegen wirst du ebenfalls ein Haarteppichknüpfer sein!" Ostvan zeigte mit einer erregten Geste auf den unvollendeten Teppich im Knüpfrahmen. "Mein ganzes Leben lang habe ich an diesem Teppich geknüpft, mein ganzes Leben, und von dem Erlös dafür wirst du einmal dein Leben lang zehren. Du hast eine Schuld an mir, Abron, und ich verlange, daß du sie an deinem Sohn wieder abbezahlst. Und gebe Gott, daß er dir nicht so viel Kummer macht wie du mir!"



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