
»Du kannst ihn wohl nicht leiden?«
»Ach, merkt man das? Nein, ich kann ihn nicht ausstehen. Der Junge, mit dem Alaina die ganzen Jahre vorher zusammen war, der war wirklich nett. Den hätte sie nehmen sollen. Aber mit dem gab es genetische Probleme; die beiden hätten keine Genehmigung für Kinder bekommen.«
»Deswegen hätte sie ihn aber doch heiraten können.«
»Zufällig ist Alaina verrückt danach, Kinder zu kriegen. Und Bjoot muß, so blöd er auch aussieht, der Träger geradezu phantastischer Gene sein. Mit ihm hat sie die Konzession für zwei Kinder gekriegt.« Gham’bia seufzte. »Jedenfalls hoffe ich, daß sie ihn wenigstens aus diesem Grund geheiratet hat und nicht, weil sie an galoppierender Geschmacksverirrung erkrankt ist.« Sie sah ihn keck von der Seite an. »Und du bist also der Tonak, der die ganzen alten Bücher liest.«
»Jeder scheint hier über mich Bescheid zu wissen«, wunderte sich Tonak. Er wußte nicht so recht, ob er sich geschmeichelt oder unwohl fühlen sollte.
»Ich glaube, meine Mutter und deine Mutter telephonieren ziemlich viel miteinander. Und am Eßtisch verkündet sie dann immer die neuesten Nachrichten aus Europa«, erklärte Gham’bia. »Das mit den Büchern finde ich echt interessant. Woher bekommst du die denn? Ich wüßte gar nicht, wo ich hier Bücher auftreiben sollte. Wenn mich etwas interessiert, frage ich es aus der Datenbank ab; das ist doch viel praktischer.«
»Bei uns im Wohnbereichszentrum gibt es eine Bibliothek; dorthin gehe ich immer zum Lesen«, erzählte Tonak.
»Und dort gibt es so alte Bücher? Dreihundert Jahre alt?«
»Ja. Manche sind sogar über vierhundert Jahre alt. Man darf sie nur in einem speziellen Lesesaal lesen, weil sie unerhört wertvoll sind.«
