»Ist es das wirklich? Wenn Sie genau hinsehen, Richard, könnte Ihnen auffallen, dass das Land vor dem Zusammenbruch steht.« In Hogans Worten war eine beklagenswerte Wahrheit. Die königliche Familie Portugals war nach Brasilien geflüchtet und hatte das Land führerlos zurückgelassen, und nach ihrer Abreise hatte es in Lissabon Straßenkämpfe und Unruhen gegeben. Viele von Portugals Adligen waren jetzt mehr damit beschäftigt, sich selbst zu schützen, als ihr Land gegen die Franzosen zu verteidigen. Dutzende Offiziere der Armee waren bereits desertiert, hatten sich der Portugiesischen Legion angeschlossen, die für den Feind kämpfte. Die verbliebenen Offiziere waren wenig ausgebildet, und ihre Männer waren ein Pöbelhaufen, der mit veralteten Waffen ausgerüstet war, wenn sie überhaupt welche besaßen.

In einigen Orten, wie in Oporto, war jegliche Ordnung zusammengebrochen, und die Straßen wurden von den Launen der ordenança beherrscht, die - aus Mangel an richtigen Waffen - mit Piken, Äxten und Hacken patrouillierten. Bevor die Franzosen gekommen waren, hatte die ordenança die halbe Oberschicht von Oporto massakriert und die andere Hälfte gezwungen, zu fliehen oder ihre Häuser zu verbarrikadieren.

Portugal war also im Begriff, zusammenzubrechen, aber Sharpe hatte ebenfalls gesehen, dass das einfache Volk die Franzosen hasste - wie die Soldaten langsamer geworden waren, als sie das Tor des Anwesens vom Haus Beautiful passiert hatten. Oporto mochte vom Feind erobert werden, doch es gab noch viel Kampfgeist in Portugal.

Lieutenant Colonel Christopher warf einen Blick auf die Flüchtlinge, dann sah er wieder Sharpe an. »Was, um Himmels willen, hat sich Captain Hogan dabei gedacht?«, fragte er und erwartete offenbar keine Antwort. »Zu welchem Nutzen könnte das für mich sein? Ihre Anwesenheit kann mich nur verlangsamen. Ich nehme an, Hogan wollte großzügig sein. Aber der Mann hat nicht mehr gesunden Menschenverstand als eine eingelegte Zwiebel. Sie können zu ihm zurückgehen, Sharpe, und ihm sagen, dass ich keine Hilfe brauche, um ein verdammt albernes Mädchen zu retten.« Der Colonel hatte lauter sprechen müssen, um nicht vom plötzlich stärkeren Krachen von Kanonen und Musketen übertönt zu werden.



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