»Nein, Sir.«

»In dieser Richtung.« Hogan wies ostwärts. »Ungefähr vier Meilen.« Er schob seinen rechten Stiefel in den Steigbügel. »Mit etwas Glück könnten sie sogar bereits morgen Nacht wieder zu uns stoßen.«

»Was ich nicht verstehe ...«, begann Sharpe. Dann legte er eine Pause ein, weil die Haustür geöffnet wurde und Mrs Savage, Witwe und Mutter der vermissten Tochter, in den Sonnenschein heraustrat. Sie war eine gut aussehende Frau Anfang vierzig: dunkelhaarig, groß und schlank, mit blassem Gesicht und hohen Augenbrauen. Sie eilte die Treppe hinab, als eine Kanonenkugel grollte und alarmierend nahe Musketenfeuer einsetzte, so nahe, dass Sharpe die Treppe zur Veranda hinaufstieg und zur Kuppe des Hügels spähte, wo die Straße nach Braga zwischen einer großen Taverne und einer kleinen Kirche verschwand.

Eine portugiesische Sechspfünder-Kanone war soeben bei der Kirche eingesetzt worden und feuerte jetzt auf den unsichtbaren Feind. Die Kräfte des Bischofs hatten auf dem Hügel neue Schanzen angelegt und die mittelalterliche Mauer mit hastig errichteten Palisaden verstärkt, doch der Anblick des kleinen Geschützes, das aus seiner provisorischen Stellung mitten auf der Straße feuerte, ließ darauf schließen, dass diese Verteidigungsanlage nicht viel nutzte.

Mrs Savage schluchzte, dass ihre Tochter für immer verloren sei. Captain Hogan schaffte es, die Witwe zum Einsteigen in die Kutsche zu bewegen. Zwei Diener mit vollgestopften Kleiderbeuteln folgten ihrer Herrin in das Fahrzeug.

»Sie werden Kate suche?« Mrs Savage öffnete die Kutschentür und blickte Captain Hogan flehend an.

»Ihr kostbarer Liebling wird schon bald wieder bei Ihnen sein«, sagte Hogan zuversichtlich. »Mister Sharpe wird dafür sorgen«, fügte er hinzu. Dann schloss er die Kutschentür für Mrs Savage. Sie war die Witwe eines der vielen Weinhändler, die in der Stadt Oporto lebten und arbeiteten. Sie war reich, nahm Sharpe an, wohlhabend genug, um eine prächtige Kutsche und das mondäne Haus Beautiful zu besitzen, aber sie musste auch dumm sein, denn sie hätte die Stadt vor zwei oder drei Tagen verlassen sollen, doch sie war geblieben, weil sie offenbar der Versicherung des Bischofs geglaubt hatte, dass er Marschall Soults Armee zurückschlagen könnte.



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