
Lucie.
Ich mag auch wohl gerne reisen.
Madame Sommer.
Und wenn wir denn nach einem heißen Tag, nach ausgestandenen Fatalitäten, schlimmen Weg im Winter, wenn wir eintraten in manche noch schlechtere Herberge, wie diese ist, und den Genuß der einfachsten Bequemlichkeit zusammen fühlten, auf der hölzernen Bank zusammen saßen, unsern Eierkuchen und abgesottene Kartoffeln zusammen aßen — Damals war's anders!
Lucie.
Es ist nun einmal Zeit, ihn zu vergessen.
Madame Sommer.
Weißt du, was das heißt: Vergessen! Gutes Mädchen, du hast, Gott sei Dank! noch nichts verloren, das nicht zu ersetzen gewesen wäre. Seit dem Augenblick, da ich gewiß ward, er habe mich verlassen, ist alle Freude meines Lebens dahin. Mich ergriff eine Verzweifelung. Ich mangelte mir selbst; ein Gott mangelte mir. Ich weiß mich des Zustands kaum zu erinnern.
Lucie.
Auch ich weiß nichts mehr, als daß ich auf Ihrem Bette saß und weinte, weil Sie weinten. Es war in der grünen Stube, auf dem kleinen Bette. Die Stube hat mir am wehsten getan, da wir das Haus verkaufen mußten.
Madame Sommer.
Du warst sieben Jahre alt, und konntest nicht fühlen, was du verlorst.
Annchen, mit der Suppe. Die Postmeisterin. Karl.
Annchen.
Hier ist die Suppe für Madame.
Madame Sommer.
Ich danke, meine Liebe! Ist das Ihr Töchterchen?
Postmeisterin.
Meine Stieftochter, Madame! aber da sie so brav ist, ersetzt sie mir den Mangel an eigenen Kindern.
Madame Sommer.
Sie sind in Trauer?
Postmeisterin.
Für meinen Mann, den ich vor drei Monaten verlor. Wir haben nicht gar drei Jahre zusammen gelebt.
