
Madame Sommer.
Sie scheinen doch ziemlich getröstet.
Postmeisterin.
O Madame! Unsereins hat so wenig Zeit zu weinen als leider zu beten. Das geht Sonntage und Werkeltage. Wenn der Pfarrer nicht manchmal auf den Text kommt, oder man ein Sterbelied singen hört. Karl, ein paar Servietten! deck hier am Ende auf.
Lucie.
Wem ist das Haus da drüben?
Postmeisterin.
Unserer Frau Baronesse. Eine allerliebste Frau.
Madame Sommer.
Mich freut's, daß ich von einer Nachbarin bestätigen höre, was man uns in einer weiten Ferne beteuert hat. Meine Tochter wird künftig bei ihr bleiben und ihr Gesellschaft leisten.
Postmeisterin.
Dazu wünsche ich Ihnen Glück, Mamsell.
Lucie.
Ich wünsche, daß sie mir gefallen möge.
Postmeisterin.
Sie müßten einen sonderbaren Geschmack haben, wenn Ihnen der Umgang mit der gnädgen Frau nicht gefiele.
Lucie.
Desto besser! Denn wenn ich mich einmal nach jemanden richten soll, so muß Herz und Wille dabei sein; sonst geht's nicht.
Postmeisterin.
Nun! nun! wir reden bald wieder davon, und Sie sollen sagen, ob ich wahr gesprochen habe. Wer um unsre gnädige Frau lebt, ist glücklich; wird meine Tochter ein wenig größer, so soll sie ihr wenigstens einige Jahre dienen: es kommt dem Mädchen auf sein ganzes Leben zugute.
Annchen.
Wenn Sie sie nur sehn! Sie ist so lieb! so lieb! Sie glauben nicht, wie sie auf Sie wartet. Sie hat mich auch recht lieb. Wollen Sie denn nicht zu ihr gehn? Ich will Sie begleiten.
