
Lucie.
Ich muß mich erst zurecht machen, und will auch noch essen.
Annchen.
So darf ich doch hinüber, Mamachen? Ich will der gnädigen Frau sagen, daß die Mamsell gekommen ist.
Postmeisterin.
Geh nur!
Madame Sommer.
Und sag ihr, Kleine, wir wollten gleich nach Tisch aufwarten.
Annchen ab.
Postmeisterin.
Mein Mädchen hängt außerordentlich an ihr. Auch ist sie die beste Seele von der Welt, und ihre ganze Freude ist mit Kindern. Sie lehrt sie allerlei Arbeiten machen und singen. Sie läßt sich von Bauersmädchen aufwarten, bis sie ein Geschick haben, hernach sucht sie eine gute Kondition für sie; und so vertreibt sie sich die Zeit, seit ihr Gemahl weg ist. Es ist unbegreiflich, wie sie so unglücklich sein kann, und dabei so freundlich, so gut.
Madame Sommer.
Ist sie nicht Witwe?
Postmeisterin.
Das weiß Gott! Ihr Herr ist vor drei Jahren weg, und hört und sieht man nichts von ihm. Und sie hat ihn geliebt über alles. Mein Mann konnte nie fertig werden, wenn er anfing, von ihnen zu erzählen. Und noch! Ich sag's selbst, es gibt so kein Herz auf der Welt mehr. Alle Jahre den Tag, da sie ihn zum letzten Mal sah, läßt sie keine Seele zu sich, schließt sich ein, und auch sonst, wenn sie von ihm red't, geht's einem durch die Seele.
Madame Sommer.
Die Unglückliche!
Postmeisterin.
Es läßt sich von der Sache viel reden.
Madame Sommer.
Wie meinen Sie?
Postmeisterin.
Man sagt's nicht gern.
