
Sie schloß ihn in die Arme und drückte ihn an sich. Ihr Geruch nach frischem Leinen, Lavendel, nach Küche und geräuchertem Speck weckte noch mehr alte Erinnerungen in ihm. Sie war über fünfundsechzig und genauso ein Teil des Hauses wie dessen Grundmauern.
Sie wiegte ihn in ihren Armen wie ein Kind, obwohl er einen ganzen Kopf größer war als sie.
«Oh, junger Master Dick, was haben sie dir angetan?«Sie brach beinahe in Tränen aus.»So dünn wie ein Schilfrohr, wohl nichts zu essen gekriegt, aber ich werde dir bald wieder Fleisch auf die Knochen bringen.»
Nun entdeckte sie Dancer und entließ Bolitho widerstrebend aus ihren Armen. Der grinste verlegen, aber erfreut über ihre Anteilnahme. Sie war allerdings noch viel stärker gewesen, als er damals, im Alter von zwölf Jahren, zum ersten Mal zur See gegangen war.
«Dies ist mein Freund Martyn Dancer. Er bleibt über Weihnachten bei uns.»
Alle wandten sich um, als Bolithos Mutter auf der Treppe erschien.
«Und Sie sind uns herzlich willkommen!«Dancer betrachtete sie hingerissen. Er hatte während der langen Seewachen oder während der wenigen ruhigen Augenblicke unter Deck schon viel von Harriet Bolitho gehört. Aber sie war doch ganz anders als in seiner Vorstellung. Sie schien viel zu jung, um Richards Mutter zu sein, viel zu zerbrechlich, um so oft allein gelassen zu werden in diesem großen Steinhaus unter dem Vorland von Pendennis Castle.»Mutter!»
