Bolitho lief zu ihr, und sie umarmten sich lange. Noch immer beobachtete Dancer Richard, seinen Freund, den er so genau zu kennen glaubte, der gewöhnlich seine Gefühle hinter einem unbeteiligten Gesicht und dem ruhigen Blick seiner grauen Augen verbarg. Richard, dessen Haar so schwarz war wie sein eigenes blond, der zwar Bewegung zeigte über den Tod eines Freundes, im Kampf aber ein Löwe wurde, er wirkte hier mehr wie ihr Freier als ihr Sohn.

Endlich sagte sie ruhig zu Dancer:»Wie lange könnt ihr bleiben?»

Die Frage war beherrscht ausgesprochen, aber er spürte die Spannung darin.

Bolitho erwiderte für ihn:»Vier Wochen, vielleicht länger, wenn…»

Sie streckte die Hand aus und streichelte sein Haar.»Ich weiß, Dick, wenn. Die Marine muß dieses Wort erfunden haben.»

Sie hakte beide jungen Männer unter.

«Aber du bist wenigstens zu Weihnachten zu Hause und hast einen Freund mitgebracht. Das ist gut. Dein Vater ist noch in Indien. «Sie seufzte.»Und ich fürchte, Felicity bleibt mit dem Regiment ihres Mannes in Canterbury.»

Bolitho betrachtete sie ernst. Er hatte nur an sich selbst gedacht, an seine Heimkehr, an seinen Stolz über das Vollbrachte. Seine Mutter dagegen hatte allem allein gegenübergestanden, wie es so oft das Los der Frauen war, die in die Familie Bolitho einheirateten.

Seine Schwester Felicity, jetzt neunzehn, war glücklich gewesen über die häufigen Besuche eines jungen Offiziers der hiesigen Garnison. Während Bolithos Abwesenheit hatte sie ihn geheiratet und das Elternhaus verlassen.

Daß sein einziger Bruder Hugh nicht zu Haus sein würde, hatte Bolitho erwartet. Hugh war vier Jahre älter, des Vaters Augapfel und tat zur Zeit Dienst als Leutnant auf einer Fregatte. Ein wenig verlegen fragte er:»Und Nancy? Geht es ihr gut, Mutter?»

Ihr Gesicht erhellte sich und ließ sie noch jünger erscheinen.»Ja, Dick, es geht ihr gut. Sie ist augenblicklich unterwegs und macht einen Besuch, trotz des Wetters. «Dancer fühlte sich seltsam erleichtert. Er hatte viel gehört von Nancy, dem jüngsten Familienmitglied. Sie mußte ungefähr sechzehn sein und wohl eine Schönheit, nach der Mutter zu schließen.



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