Harry tat es. Der große Trottel nahm es wie ein Schlafwandler.

»Jetzt bring es zu mir, großer Junge«, sagte ich, und Coffey gehorchte. Seine Ketten klirrten. Er musste sich ducken, um die Zelle betreten zu können.

Ich blickte an ihm hinauf und hinab, um seine Größe als Fakt zu registrieren, nicht als optische Illusion. Es stimmte: zwei Meter, einen Zentimeter mehr oder weniger.

Sein Gewicht war mit einhundertdreißig Kilo angegeben, aber ich denke, das war nur schlecht

geschätzt; er musste über drei Zentner schwer sein. In der Rubrik >Narben und besondere

Kennzeichen< war in der krakeligen Schrift von Magnusson, dem alten Kalfakter in der Registratur,

das Wort zahlreiche eingetragen.

Ich blickte auf. Coffey war ein Stück zur Seite geschlurft, und Harry stand auf dem Gang vor der Zelle

mit Delacroix - er war der einzige andere Gefangene in Block E, als Coffey eintraf. Del war ein

schmächtiger Typ mit fast kahlem Kopf und der besorgten Miene eines Buchhalters, der weiß, dass

seine Veruntreuungen bald entdeckt werden. Eine zahme Maus saß auf seiner Schulter.

Percy Wetmore lehnte am Türpfosten der Zelle, die soeben John Coffeys Zelle geworden war. Percy

hatte seinen Hickory-Schlagstock aus dem speziell angefertigten Holster genommen, in dem er ihn

trug, und schlug damit in die linke Handfläche, als wäre der Schlagstock ein Spielzeug, mit dem er

sich jetzt gern beschäftigen würde. Und auf einmal konnte ich es nicht ertragen, Percy dort

herumstehen zu sehen.

Vielleicht lag es an der für diese Jahreszeit ungewöhnlichen Hitze, vielleicht an der Blaseninfektion, die

meinen Unterleib erhitzte und das Jucken meiner Flanellunterwäsche fast unerträglich machte.

Vielleicht lag es auch an dem Wissen, dass der Staat mir einen Schwarzen zum Hinrichten geschickt

hatte, der einem Idioten gleichkam, und Percy ihn offenbar zuerst ein bisschen mit dem Schlagstock



19 из 432