»Bis vor drei Jahren gehörte das alles einem Ziegenbauern«, sagte Marek. »Die Franzosen hatten diese Ruinen so gut wie vergessen, sie waren von Wald überwuchert. Wir haben den Wald gerodet und ein bißchen was wiederaufgebaut. Was Sie hier sehen, war einst die berühmte englische Festung Castelgard.«

»Das ist Castelgard?« seufzte Kramer. So wenig war also übrig: ein paar stehende Mauern, die auf die Stadt hindeuteten, und von der Burg selbst fast nichts.

»Ich dachte, da wäre schon mehr«, sagte sie.

»Irgendwann wird es mehr geben. Castelgard war zu seiner Zeit eine große Stadt mit einer sehr imposanten Burg«, erwiderte Marek. »Aber es dauert noch mehrere Jahre, bis alles restauriert ist.« Kramer fragte sich, wie sie das Doniger erklären sollte. Das Dor-dogne-Projekt war noch bei weitem nicht so fortgeschritten, wie Doniger sich das vorgestellt hatte. Es wäre extrem schwierig, mit wirklicher Rekonstruktion zu beginnen, solange die Anlage nur aus solchen Trümmern bestand. Und sie war sicher, daß Professor Johnston sich einer Rekonstruktion unter solchen Umständen widersetzen würde. »Unser Hauptquartier haben wir in dem Bauernhof da drüben aufgeschlagen.« Marek deutete auf ein Haus mit mehreren Nebengebäuden, nicht weit von den Ruinen entfernt. »Wollen Sie über Castelgard kreisen, um es sich genauer anzusehen?« »Nein«, sagte Kramer, die versuchte,sich ihre Enttäuschung nicht anmerken zu lassen. »Nein, fliegen wir weiter.« »Okay, dann geht's jetzt zur Mühle.«

Der Helikopter schwenkte und flog nach Norden in Richtung Fluß. Das Land flachte zum Ufer der Dordogne hin ab. Sie überquerten den breiten, dunkelbraunen Fluß und kamen zu einer stark bewaldeten Insel, die direkt vor dem anderen Ufer lag. Insel und Nordufer trennte ein schmalerer, rauschender Flußarm von etwa fünf Metern Breite. Genau hier waren die Ruinen eines anderen Gebäudes zu erkennen, die jedoch so zerstört waren, daß man nicht mehr ausmachen konnte, was es einmal gewesen war. »Und das?« fragte Kramer und schaute nach unten. »Was ist das?«



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