»Das ist die Wassermühle. Früher gab es eine Brücke über den Fluß und darunter Wasserräder. Die Wasserkraft wurde zum Mehlmahlen benutzt und zum Antreiben großer Blasebälge für die Stahlherstellung.«

»Hier wurde offenbar überhaupt noch nichts wiederaufgebaut.« Krämer seufzte.

»Nein«, sagte Marek. »Aber wir haben die Mühle studiert. Chris Hughes, einer unser Doktoranden, hat sie ziemlich ausführlich erforscht. Das da unten ist Chris, beim Professor.«

Krämer sah einen stämmigen, dunkelhaarigen jungen Mann, der neben der großen, imposanten Gestalt von Professor Johnston stand. Keiner der beiden sah auf, als der Hubschrauber sie überflog; sie waren zu sehr auf ihre Arbeit konzentriert.

Jetzt ließ der Hubschrauber den Fluß hinter sich und überflog das flache Land nördlich davon. Sie überquerten einen Komplex niedriger rechteckiger Mauern, die im schrägen Morgenlicht als dunkle Linien zu erkennen waren. Krämer schätzte, daß die Mauern nur ein paar Zentimeter hoch waren. Aber sie markierten deutlich den Umriß von etwas, das aussah wie eine kleine Stadt. »Und das? Ist das eine andere Stadt?«

»So ungefähr. Das ist das Kloster von Sainte-Mere«, erklärte Marek.

»Eines der wohlhabendsten und mächtigsten Klöster Frankreichs. Es wurde im vierzehnten Jahrhundert in Schutt und Asche gelegt.«

»Da wird aber viel gegraben.«

»Ja, das ist unsere wichtigste Grabungsstätte.«

Im Überfliegen erkannte Diane die großen quadratischen Gruben, mit denen sich die Forscher Zugang zu den Katakomben unter dem Kloster verschafften. Sie wußte, daß sich auf diese das Hauptaugenmerk richtete, weil man hoffte, hier noch weitere Verstecke mit klösterlichen Dokumenten zu finden; eine ganze Reihe hatte man bereits entdeckt. Der Hubschrauber schwenkte wieder und näherte sich den Kalksteinabhängen auf der französischen Seite sowie einer kleinen Stadt. Dann stieg er über den Rand des Steilufers.



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