»Ich habe mit ihr telefoniert. Sie ist eine von diesen Spinnern, die immer an irgendwelche Verschwörungen glauben. Der Kapitalismus ist schlecht, alle Konzerne sind böse —«

»Ja, ja, Edouard, du hast ja recht.« Er beugte sich zu ihm. »Aber sie schläft mit dem Kulturminister.«

»Nicht gerade eine Empfehlung«, sagte Johnston.

»Edouard, bitte. Die Leute fangen an, auf sie zu hören. Sie kann Probleme verursachen. Für dich. Für mich. Für dieses Projekt.«

Johnston seufzte.

»Du weißt doch, hier in Frankreich denken viele, daß die Amerikaner jede Kultur zerstören, weil sie selber keine haben. Vor allem Filme und Musik machen immer wieder Probleme. Und es gibt Diskussionen darüber, Amerikanern die Arbeit an französischen Kulturdenkmälern zu verbieten. Was meinst du?« »Das ist nichts Neues«, erwiderte Johnston.

»Außerdem hat dich dein eigener Sponsor, ITC, gebeten, mit ihr zu sprechen.«

»Ach, tatsächlich?«

»Ja. Eine Ms. Kramer hat verlangt, daß du mit ihr sprichst.« Johnston seufzte noch einmal.

»Es dauert nur ein paar Minuten, das verspreche ich dir«, sagte Bellin und winkte zum Landrover. »Sie ist im Auto.« »Du hast sie mitgebracht?« fragte Johnston.

»Edouard, laß es dir gesagt sein«, erwiderte Bellin. »Es ist nötig, daß du sie ernst nimmst. Ihr Name ist Louise Delvert.« Als die Reporterin aus dem Auto stieg, sah Chris eine Frau Mitte Vierzig, schlank und dunkelhaarig, mit attraktiven, markanten Gesichtszügen. Sie hatte das gewisse Etwas reifer europäischer Frauen, ein Stil, in dem sich eine raffinierte sublime Sexualität ausdrückte. Angezogen war sie wie für eine Expedition: Khakibluse und -hose, mit Kamera, Video- und Kassettenrekorder an Riemen um den Hals. Mit einem Notizblock kam sie sehr forsch und zielstrebig auf die beiden zu. Delvert streckte die Hand aus. »Professor Johnston«, sagte sie in akzentfreiem Englisch. Ihr Lächeln war aufrichtig und herzlich. »Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr ich mich freue, daß Sie sich Zeit für mich nehmen.«



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