
Es war ein heißer, ermüdender Tag. Doch jetzt geriet die träge Luft in Bewegung, eine allgemeine Unruhe brach aus. Ein Fischotter mit seinem langen Körper und kräftigen Schwanz brachte sich geduckt schleichend rasch in Deckung. Auf einem Bergpfad verhoffte ein Damhirsch mit einem breiten Schaufelgeweih, noch vom Bast bedeckt, das er bald mit Beginn der Brunftzeit abwerfen würde, und schnupperte mit zitternden Nüstern. Hätte ihn nicht das Hundegebell gewarnt, hätte ihn allein schon der Geruch nach Menschen, den einzigen Raubtieren, die er zu fürchten hatte, zur Flucht über den Höhenrücken hinweg, fort von der nahenden Bedrohung, veranlaßt. Nur ein einziges Tier knabberte weiter an Ginster und Heidekraut, anscheinend ungerührt von der Angst, die die anderen Tiere ergriffen hatte. Auf einem Felsvorsprung stand eine kleine zottige, trittsichere Wildziege mit langen Hörnern. Rhythmisch kauend behielt sie ihre gleichgültige, teilnahmslose Haltung bei.
In der Tiefe war das Tal teilweise mit einem Dickicht aus Büschen und Bäumen bedeckt. Es erstreckte sich vom Nordende des Tals herab und reichte bis auf fünfzig Meter ans Seeufer heran, während niedriger Ginster und Heide den übrigen Talboden bedeckten. Das Dik-kicht bestand weitgehend aus dem dornigen Gestrüpp des Schlehdorns mit seinen gezähnten harten Zweigen, die sich kaum von den Kirsch-Pflaumen unterschieden, die dazwischen wuchsen und sich mit den dicken Stämmen, starken Ästen und ausladenden Kronen der Zwergeichen vermischten. Von dem schmalen, dunklen Pfad durch dieses Dickicht kam ein Geräusch, das anzeigte, daß sich jemand rasch durch die hinderlichen Zweige und fesselnden Ranken zwängte.
