
»Bruder Mochta!« rief er und trat in die kleine Kammer. Dann blieb er stehen, und seine Augen weiteten sich. So verharrte er einige Augenblicke, und Bruder Madagan versuchte vergeblich, ihm über die Schulter zu sehen. Ohne sich umzuwenden, sagte der Abt merkwürdig ruhig: »Halte die Kerze höher, Bruder Madagan.«
Der Verwalter hob sie hoch über die Schulter des Abts.
Das flackernde Licht ließ erkennen, daß sich die winzige Zelle in völliger Unordnung befand. Kleidungsstücke waren auf dem Fußboden verstreut. Die Strohmatratze war halb von dem niedrigen hölzernen Bettgestell heruntergerissen. Ein Kerzenstummel lag in einer kleinen Talgpfütze auf dem Boden, der hölzerne Ständer ein Stück weiter. Hier und da fanden sich persönliche Toilettenartikel.
»Was hat das zu bedeuten, Pater Abt?« flüsterte Bruder Madagan entsetzt.
Abt Segdae schwieg. Seine Augen verengten sich, als sein Blick auf die Matratze fiel. Er bemerkte eine Verfärbung, die er sich nicht erklären konnte. Er nahm Bruder Madagan die Kerze aus der Hand, trat vor und beugte sich nieder, um den Fleck zu untersuchen. Vorsichtig berührte er ihn mit dem Finger. Er war noch feucht. Im flackernden Kerzenlicht besah er seine Fingerspitze.
»»Deus misereatur...«, flüsterte er. »Das ist Blut.«
Bruder Madagan verbarg den Schauer nicht, der ihn plötzlich überlief.
Abt Segdae blieb wie erstarrt stehen. Es dauerte einige Zeit, bis er sich regte.
»Bruder Mochta ist nicht hier«, stellte er überflüssigerweise fest. »Geh, Bruder Madagan, und wecke die Abtei. Wir müssen uns sofort auf die Suche machen. Es ist Blut auf seiner Matratze, seine Zelle ist in Unordnung, und die Reliquien des heiligen Ailbe sind fort. Geh und läute die Sturmglocke, denn das Böse geht um in dieser Abtei heute nacht!«
Kapitel 2
Die Nonne blieb auf der letzten Stufe stehen, bevor sie den Wehrgang hinter den Zinnen der Burg betrat, und blickte mißbilligend zum Morgenhimmel auf.
