
Die ganze Zeit über war Tom glücklich und zufrieden - er hatte Gesellschaft und außerdem wurde der Zaun dreimal völlig übergepinselt. Wäre ihm die Farbe nicht ausgegangen, so hätte er jeden Jungen des Städtchens arm gemacht.
Manchmal war das Leben gar nicht so schwer. Tom hatte, ohne es zu wissen, das große Gesetz menschlichen Handelns entdeckt - wenn man nämlich einem Menschen eine Sache schmackhaft machen will, so muss man sie nur als schwer erreichbar hinstellen. Wäre er ein großer und berühmter Philosoph gewesen -wie zum Beispiel der Verfasser dieses Buches -, so hätte Tom jetzt begriffen, dass Arbeit das ist, was man tun muss, und Spiel das, was man freiwillig tut. Und damit hätte er auch verstanden, dass man es zum Beispiel „Arbeit" nennt, künstliche Blumen herzustellen, während es als Vergnügen gilt, den Montblanc zu ersteigen.
Der Junge grübelte noch eine Weile über sein plötzliches Glück nach, dann ging er nach Hause, um zu berichten.
Tom meldete sich bei Tante Polly, die an dem offenen Fenster eines Hinterzimmers saß, das Schlafzimmer, Frühstückszimmer, Esszimmer und Bibliothek in sich vereinigte. Die laue Sommerluft, die Ruhe, der Duft der Blumen und das einschläfernde Summen der Bienen hatte sie über ihrem Strickzeug einschlummern lassen. Ihre einzige Gesellschaft war die Katze und die lag schlafend in ihrem Schoß. Ihre Brille hatte die Tante zur Sicherheit hoch in die Stirn geschoben. Natürlich hatte sie angenommen, Tom sei längst auf und davon und so wunderte sie sich jetzt sehr, dass er so unerschrocken zu ihr kam.
Er fragte: „Darf ich jetzt gehen und spielen, Tante?"
„Was, schon? Wie viel hast du getan?"
„Der Zaun ist ganz fertig, Tante."
„Tom, lüg mich nicht an — ich kann es nicht vertragen."
„Ich lüge nicht, Tante; er ist fertig!"
