Und er sah sich, wie man ihn vom Fluss zurücktrug, tot, mit nassen Locken, endlich Frieden in seinem armen Herzen. Wie sie sich über ihn werfen würde und wie ihre Tränen strömen würden und wie sie Gott anrufen würde, ihr ihren Jungen zurückzugeben! Und ganz gewiss würde sie ihn niemals mehr schlagen! Er aber würde daliegen - kalt und weiß und ohne Bewegung, ein armer kleiner Dulder, dessen Leiden endlich zu Ende waren.

Er steigerte sich so sehr in diese dramatischen Träume hinein, dass er immerzu schlucken musste. Tränen stiegen ihm in die Augen, liefen die Wangen hinab und tropften ihm schließlich von der Nase. Als kurz darauf seine Kusine Mary hereintanzte, voll von Leben und glücklich, nach einem ein wöchigen Aufenthalt auf dem Lande wieder zu Hause zu sein, war ihm sein eigener Schmerz so kostbar geworden, dass er es nicht ertragen konnte, sie zu sehen. Still ging er hinaus.

Er hielt sich fern von den anderen Jungen und suchte sich einen einsamen Platz, wo er mit seinen düsteren Gedanken allein sein konnte. Ein langes Floß auf dem Fluss schien ihm geeignet und er setzte sich auf die äußere Kante und starrte in die Flut.

Er wünschte, er würde sofort ertrinken, ohne etwas davon zu merken. Dann dachte er wieder an seine Blume. Er nahm sie aus seiner Jacke, sie war verwelkt und zerknittert, doch augenblicklich verbesserte der Anblick seine finstere Stimmung. Er fragte sich, ob sie ihn bemitleiden würde? Würde sie weinen und ihre Arme um seinen Hals legen und ihn trösten? Oder würde sie sich kalt abwenden wie die ganze Welt? Diese Vorstellung versetzte ihn in eine so trübe, aber doch wieder angenehme Stimmung, dass er die ganze Angelegenheit immer von neuem durchdachte. Schließlich sah er sie in einem ganz neuen Licht, sie erschien ihm jetzt ganz richtig. Endlich erhob er sich seufzend und verschwand in der Dunkelheit.



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