
„Verängstige mir ja nicht meinen Schrank“, sagte sie, schon vom anderen Zimmer aus. Ich folgte ihr.
Die Möbel schienen aus Kunststoff gegossen: kleine Sessel, ein niedriges Sofa, kleine Tischchen — in dem halbdurchsichtigen Material bewegten sich langsam ganze Schwärme von Glühwürmchen: manchmal verliefen sie sich, flossen dann wieder zu kleinen Bächlein zusammen, und im Innern der Möbel schien dann leuchtendes, blaßgrünes, mit rosigen Reflexen vermischtes Blut zu kreisen.
„Warum setzt du dich nicht?“
Sie selbst stand tiefer. Der Sessel öffnete sich, um mich aufzunehmen. Ich konnte das nicht leiden. Diese Glasur war keine Glasur — ich hatte den Eindruck, auf luftgefüllten Kissen zu sitzen. Und als ich hinuntersah, konnte ich durch die dicke gebogene Platte meines Sitzes undeutlich den Fußboden sehen.
Als ich hereinkam, schien mir die Wand gegenüber der Tür aus Glas zu sein; ich meinte dort ein zweites Zimmer mit irgendwelchen Menschen zu erblicken, als ob da ein Empfang stattfände, nur waren die Menschen unnatürlich groß. Plötzlich begriff ich, daß ich vor mir einen vollwandigen Fernsehschirm hatte. Der Ton war abgeschaltet; jetzt, im Sitzen, sah ich ein riesiges Frauengesicht, genauso, als ob diese dunkelhäutige Riesin durchs Fenster ins Zimmer schaute; ihre Lippen bewegten sich, sie sprach, und die Juwelen — groß wie die Schilde von früheren Kriegern —, die ihre Ohrläppchen bedeckten, funkelten von Brillanten.
Ich rückte mich etwas in meinem Sessel zurecht. Das Mädchen, eine Hand an der Hüfte — ihr Bauch sah tatsächlich wie eine Skulptur aus lazurfarbigem Metall aus —, sah mich aufmerksam an. Sie machte nicht mehr den Eindruck einer Betrunkenen.
Vielleicht kam es mir vorhin auch nur so vor.
„Wie heißt du?“ wollte sie wissen.
„Bregg. Hal Bregg. Und du?“
„Nais. Wie alt bist du?“
„Eigenartige Sitten“, dachte ich. „Doch was hilft’s — anscheinend ist es so üblich.“ „Vierzig. Wieso?“
