
Dieses Denkmal vergangener Zeiten - ganz zu schweigen von Sitte und Anstand - würden sie nun also in wenigen Stunden nach einer ziemlich langen Fahrt über Land zu sehen bekommen.
Es war vereinbart, dass man sich an diesem Morgen beim Queen's Gate treffen würde, an der Mündung der Garett Hostel Lane, an deren Ende der gemietete Kleinbus wartete. Hier, wo die versammelten Exkursionsteilnehmer ihre Lunchpakete in Empfang nahmen und mit den üblichen säuerlichen Kommentaren über Anstaltsverpflegung begutachteten, stießen endlich Sam Cleary und seine Frau Frances zur Gruppe, er sichtlich gedämpft, sie mit einem Gesicht wie drei Tage Regenwetter.
Wenn man aus der Art der Kleidung auf den Ausgang ihrer nächtlichen Auseinandersetzung schließen konnte, so war Sam eindeutig als Sieger daraus hervorgegangen: Tipptopp sah er wieder einmal aus in einem feschen Sportsakko mit Querbinder, der raffiniert auf die waldgrünen Töne seiner Tweedhose abgestimmt war. Frances dagegen, schlabberiges Hemd und schlabberige Hose, beides um Nummern zu groß, sah aus wie ein Flüchtling der Kulturrevolution.
Polly schien bestrebt, den Bruch, den sie möglicherweise zwischen Sam und Frances verursacht hatte, zu kitten. Immerhin war sie beinahe fünfzig Jahre jünger als Sam und hatte zu Hause in Chicago einen Freund. Sie hatte sich von den Aufmerksamkeiten eines älteren Mannes - eines echt alten Mannes, wie sie es formuliert hätte - vielleicht geschmeichelt gefühlt, aber das hieß noch lange nicht, dass sie auch nur daran gedacht hätte, die Flamme von Sams Interesse zu einem Feuer der Leidenschaft zu schüren. Er sah zwar wirklich sehr gut aus mit dem vollen weißen Haar und der gesunden Röte auf den Wangen, aber er war nun einmal alt, darum kam man nicht herum, und nicht zu vergleichen mit Pollys David, auch wenn David bislang unglücklicherweise beinahe krankhaft auf das Studium der Brüllaffen fixiert war.
