
Als der Bus die letzte Kurve umrundete und die Seminarteilnehmer ihren ersten Blick auf Abinger Manor warfen, erhob sich beifälliges Gemurmel unter ihnen. Alles, was sie sonst beschäftigte, war einen Moment vergessen. Hochzufrieden über diese Reaktion ihrer Schützlinge, drehte sich Victoria Wilder-Scott auf ihrem Sitzplatz um. »Na«, sagte sie, »habe ich zu viel versprochen?«
Jenseits eines Burggrabens, auf dessen Wasser Seerosen schwammen, standen, das Portal des Hauses flankierend, zwei mit Zinnen gekrönte Türme. Sie erhoben sich über fünf Stockwerke, und zu ihren beiden Seiten blickten hohe, kunstvoll verzierte Kamine auf gestufte Treppengiebel. Erkerfenster, dem imposanten Bau erst später angefügt, schwebten über dem Graben und boten den Hausbewohnern einen Blick auf den großen Park mit seinen Gartenanlagen, auf der einen Seite von einer hohen Eibenhecke geschützt, auf der anderen von einer Backsteinmauer, vor der eine Blumenrabatte mit Lavendel, Astern und Nelken leuchtete. Hier vertraten sich die Seminarteilnehmer, denen bis zum Beginn des Rundgangs durch das Haus noch eine Viertelstunde Zeit blieb, nach der Fahrt erst einmal die Füße.
Sie waren an diesem Morgen nicht die einzigen Besucher von Abinger Manor. Kurz nach ihnen hielt auf dem Parkplatz ein großer Reisebus und spie eine Schar deutscher Touristen aus, die, Polly Simpsons Beispiel folgend, sogleich begannen, die eindrucksvolle Fassade des Herrenhauses zu fotografieren. Zu gleicher Zeit trafen zwei Familien im Range Rover ein, die nichts Eiligeres zu tun hatten, als sich in den Irrgarten zu stürzen, wo sie sich prompt verliefen und dann mit lautem Geschrei versuchten, wieder auf den richtigen Weg zu finden. Und etwas später rollte beinahe lautlos ein silberner Bentley auf den Parkplatz und hielt neben den anderen Fahrzeugen an.
Die Insassen des Bentley waren Thomas Lynley und seine zukünftige Frau, Lady Helen Clyde. Diese beiden führte ein rein persönliches Interesse nach Abinger Manor - die bereits erwähnte, gräfliche Witwe, die Herrin von Abinger Manor, war Lynleys formidable Tante Augusta, die ihren Neffen herzitiert hatte, um ihm vorzuführen, dass man sein Heim sehr wohl zur öffentlichen Besichtigung freigeben konnte, ohne dass dies katastrophale Folgen hatte.
