Er wird wie alle Männer klein beigeben und mir seine Liebe beteuern und schwören, es werde nicht wieder vorkommen. Ihm würde nie einfallen, daß mir im Notfall keine andere Wahl bliebe, als zu meinen Eltern zurückzukehren und dort den Rest meines Lebens zu verbringen, wo ich den lieben langen Tag den Sermon meiner Mutter über mich ergehen lassen müßte, weil ich angeblich die einzige Chance verspielt habe, mit meinem trotz seiner kleinen Fehler wunderbaren Ehemann glücklich zu sein und meinen Kindern die Trennung von ihm zu ersparen.

Zwei oder drei Jahre später wird eine andere Frau in sein Leben treten. Ich werde es herausfinden, entweder weil ich es selbst gesehen habe oder jemand es mir erzählt. Doch dieses Mal werde ich so tun, als bemerkte ich es nicht. Ich habe meine ganze Energie im Kampf gegen die vorangegangene Geliebte aufgebraucht, es ist nichts mehr übrig. Besser, das Leben so zu nehmen, wie es wirklich ist, und nicht den Vorstellungen nachhängen, die ich mir gemacht hatte.


Meine Mutter hatte recht. Er wird weiterhin nett zu mir sein, ich werde weiterhin meiner Arbeit in der Bibliothek nachgehen, auf dem Platz vor dem Theater meine Butterbrote essen, meine Bücher nie zu Ende lesen, Fernsehsendungen sehen, die in zehn, zwanzig, fünfzig Jahren noch dieselben sein werden wie heute. Nur werde ich meine Butterbrote mit schlechtem Gewissen essen, weil ich immer dicker werde: Und ich werde nicht mehr in Bars gehen, weil ich einen Mann habe, der mich zu Hause erwartet, damit ich mich um die Kinder kümmere. Nun brauche ich nur noch darauf zu warten, daß die Kinder erwachsen werden. Und ich werde die ganze Zeit an Selbstmord denken, ohne den Mut zu haben, ihn zu begehen.

Eines schönen Tages werde ich zum Schluß kommen, daß das Leben nun mal so ist, es nichts bringt, sich darüber aufzuregen, und daß sich nichts ändern wird. Und mich dreingeben.



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