Wir werden gemeinsame Zukunftsträume entwickeln, ein Haus auf dem Land, Kinder, die Zukunft unserer Kinder. Im ersten Jahr werden wir häufig miteinander schlafen, im zweiten schon weniger, und ab dem dritten Jahr denken wir vielleicht alle vierzehn Tage an Sex und setzen den Gedanken womöglich einmal im Monat um. Schlimmer noch, wir werden kaum noch miteinander reden. Ich werde es resigniert hinnehmen und mich dann fragen, was an mir falsch ist, weshalb er sich nicht mehr für mich interessiert, mich links liegen läßt und immer nur von seinen Freunden erzählt, als wären sie seine wahre Welt.

Wenn die Ehe am seidenen Faden hängt, werde ich schwanger. Wir werden ein Kind haben und einander eine Zeitlang wieder näher sein. Aber dann wird wieder alles wie vorher.

Dann werde ich ganz allmählich dick wie die Tante der Krankenschwester von gestern — oder von vor ein paar Tagen, ich weiß es nicht mehr so genau. Und ich werde anfangen, Diät zu halten und trotz aller Kontrolle Tag für Tag und Woche für Woche immer mehr Pfunde auf die Waage bringen. Das wird der Augenblick sein, an dem ich anfangen werde, diese Wunderpillen zu nehmen, um nicht depressiv zu werden. Und ich werde noch ein paar Kinder bekommen, die in viel zu schnell vergangenen Liebesnächten gezeugt wurden. Ich werde allen erzählen, daß die Kinder mein Lebensinhalt sind, während sie in Wirklichkeit mein Leben für sich in Anspruch nehmen.

Die Leute werden uns immer für ein glückliches Ehepaar halten, und niemand wird erfahren, wieviel Einsamkeit, Bitterkeit, Entsagung hinter diesem ganzen Glück lauert.

Bis mein Mann sich eines Tages eine Geliebte anschafft und ich einen Aufstand mache wie die Tante meiner Krankenschwester oder wieder an Selbstmord denke. Doch dann werde ich alt und feige sein, zwei oder drei Kinder haben, die mich brauchen, die ich erziehen und auf die Welt vorbereiten muß, bevor ich alles aufgeben kann. Ich werde mich nicht umbringen: Ich werde einen Aufstand machen, drohen, mit den Kindern auszuziehen.



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