War sie etwa schon länger hier? War sie noch in Gefahr? Sie begann, jede Geste, jede Bewegung der beiden genau zu beobachten.

Sie wußte, daß es sinnlos war, ihnen Fragen zu stellen, sie würden niemals die Wahrheit sagen. Doch wenn sie es geschickt anstellte, konnte sie trotzdem herausfinden, was los war.

»Sagen Sie mir Ihren Namen, Ihre Adresse, Ihren Familienstand und Ihr Geburtsdatum«, fuhr der Arzt fort. Veronika wußte ihren Namen, ihren Familienstand, doch sie stellte fest, daß es in ihrer Erinnerung weiße Flecken gab: Sie konnte sich nicht genau an ihre Adresse erinnern.

Der Arzt leuchtete ihr mit einer Lampe in die Augen und untersuchte sie lange schweigend, sein Assistenzarzt tat es ihm nach. Die beiden tauschten Blicke, die Veronika nicht deuten konnte.

»Sie haben der Nachtschwester gesagt, wir könnten Ihre Seele nicht sehen?« fragte der Assistenzarzt.

Veronika konnte sich nicht daran erinnern. Sie wußte kaum mehr, wer sie war und was sie hier machte.

»Sie haben die ganze Zeit unter Schlafund Beruhigungsmitteln gestanden, das mag Ihr Gedächtnis beeinträchtigen.

Versuchen Sie bitte, auf all unsere Fragen zu antworten.«

Und die Ärzte begannen mit einer absurden Befragung.

Sie wollten wissen, welches die wichtigsten Zeitungen in Ljubljana seien, wie der Dichter hieß, dessen Statue auf dem Hauptplatz stand (als könnte sie Preseren vergessen, wo doch jeder Slowene sein Bild tief im Herzen trug!), die Haarfarbe ihrer Mutter, die Namen ihrer Arbeitskollegen, die am häufigsten ausgeliehenen Bücher der Bibliothek.

Anfangs überlegte Veronika, ob sie überhaupt antworten sollte, denn ihr Gedächtnis war noch ziemlich durcheinander.

Doch im Laufe der Befragung rekonstruierte sie, was sie vergessen hatte.



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