
»Gut«, sagte der Arzt am Ende der Befragung.
»Wie lange muß ich noch hierbleiben?«
Der Assistent schaute zu Boden, und sie spürte, wie alles stillstand, als beginne mit der Antwort auf diese Frage ein neues, unabänderliches Kapitel ihrer Lebensgeschichte.
»Du kannst es ihr sagen«, meinte der Arzt. »Viele andere Patienten haben schon Gerüchte gehört, und sie wird es am Ende sowieso erfahren. Hier gibt es keine Geheimnisse.«
»Nun, Sie haben Ihr Schicksal selbst bestimmt«, seufzte der junge Mann und maß seine Worte. »Und jetzt müssen Sie auch die Konsequenzen tragen: Während des durch die Betäubungsmittel hervorgerufenen Komas wurde ihr Herz unwiderruflich geschädigt. Es hat eine Nekrose an der Herzklappe -«
»Machen Sie nicht viel Worte!« sagte der Arzt. »Kommen Sie gleich zum Wesentlichen!«
»Ihr Herz wurde unwiderruflich geschädigt. Und wird bald aufhören zu schlagen.«
»Was bedeutet das?« fragte sie erschrocken.
»Die Tatsache, daß das Herz zu schlagen aufhört, bedeutet nur eines: den physischen Tod. Ich weiß nicht, was Ihre Religion ist, aber -«
»Und wie lange dauert es, bis mein Herz stillsteht?«
»Fünf Tage, höchstens eine Woche.« Veronika merkte, daß der junge Mann, der sich so professionell und besorgt gab, sich insgeheim diebisch freute, ihr diesen Befund zu sagen — als verdiente sie die Strafe und müßte künftig ändern als warnendes Beispiel dienen.
