
Jetzt war sie zwar glücklich darüber, bis zum Ende gegangen zu sein, aber auch gelangweilt, weil sie nicht wußte, was sie mit der ihr noch verbleibenden kurzen Zeit anfangen sollte.
Sie dachte wieder an diesen absurden Satz, den sie soeben gelesen hatte. Wie konnte ein Artikel über ein Computerspiel mit der idiotischen Frage beginnen: »Wo liegt Slowenien?«
Da sich weiter nichts Interessantes fand, mit dem sie sich hätte beschäftigen können, beschloß sie, den Artikel ganz zu Ende zu lesen, und erfuhr: Das besagte Spiel war in Slowenien produziert worden. Weil die Bewohner dieses merkwürdigen Landes, das sonst keiner kannte, billiger arbeiteten. Vor einigen Monaten hatte die französische Produktionsfirma in einer Burg in Bled für Journalisten aus der ganzen Welt ein Fest gegeben.
Veronika erinnerte sich daran, daß sie etwas über dieses Fest gehört hatte, das ein ganz besonderes Ereignis in der Stadt gewesen war. Nicht nur, weil die Burg neu dekoriert worden war, um ihr soweit wie möglich das mittelalterliche Ambiente jener CD-ROM zu verleihen, sondern auch wegen der Polemik in der lokalen Presse: Deutsche, französische, englische, italienische, spanische Journalisten waren eingeladen worden, aber kein einziger Slowene.
Der Korrespondent von Homme, der auf Kosten des Magazins zum ersten Mal nach Slowenien gekommen war, um sich die Zeit damit zu vertreiben, andere Journalisten zu begrüßen und bei Gratishäppchen in der Burg angeblich interessante Dinge von sich zu geben, hatte beschlossen, sein Thema mit einem Scherz einzuleiten, der den hochgestochenen Intellektuellen seines Landes gefallen würde. Bestimmt hatte er den Kollegen in der Redaktion diverse Lügengeschichten über Land und Leute aufgetischt und ihnen beschrieben, wie unelegant und einfach sich Sloweninnen kleiden.
