»Könnt ihr euch vorstellen, daß jemand Malibu heißt?« Ays­has eisiger Ton war durchtränkt von gesellschaftlicher Überheb­lichkeit.

»Ob mein Leben wohl besser liefe, wenn ich mich in Chatta­nooga umtaufen würde?« witzelte Kerry zum Vergnügen der anderen. Sie hätte Aysha am liebsten die Augen ausgekratzt.

Harry kicherte. »Petting. Als ich in Deutschland war, bin ich durch einen Ort gekommen, der Petting hieß. Ändere deinen Namen in Petting, dann wirst du fühlen, wie's ringsum prickelt.«

»O ja.« Laura Freelys aristokratische Stimme mit der perfek­ten Modulation verlieh jeder ihrer Äußerungen Gewicht. »Wenn ich mich recht entsinne, gibt es da auch Ortschaften, die Ficks­burg und Möse heißen.«

»Meine Damen« - Blair senkte den Kopf -, »ich muß doch sehr bitten.«

3

Die John-Deere-Vertragshandlung, ein niedriger Ziegelbau an der Route 250, stellte ihre neuen Traktoren am Straßenrand aus. Diese grünen und gelben Verlockungen ließen Harry das Was­ser im Mund zusammenlaufen. An die tausend Autofahrer ka­men täglich auf dem Weg nach Charlottesville an den Traktoren vorbei. Immer mehr Menschen zog es nach Albemarle County, Leute aus dem öffentlichen und diplomatischen Dienst, die auf fünf Morgen großen Grundstücken riesige Häuser kauften und deren Tempo von fahrbaren Rasenmähern bestimmt wurde. Sie gelüstete es wahrscheinlich kaum nach diesen Maschinen, die in einer ordentlichen Reihe aufgestellt waren. Aber die Leute vom Land fuhren in der Abenddämmerung vorbei, hielten an und spazierten um die neuesten Nutzfahrzeuge herum.

Harrys Maschine, ein 1958er 420S Traktor, schleppte einen Dungstreuer, zog einen kleinen Bodenfräser und war für sie wie ein Freund. Ihr Vater hatte den Traktor neu gekauft und liebe­voll gepflegt. Harrys Service-Heft, ein dickes Buch, war ange­füllt mit seinen Anmerkungen, denen sie jede Menge eigene hinzugefügt hatte. Das kleinere Benutzerhandbuch steckte ab­gegriffen und zerfleddert in einer Plastikschutzhülle.



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