»Ich würde es vorziehen, wenn das Gespräch sofort stattfinden könnte«, antwortete Fidelma, worauf der Verwalter heftig blinzelte, was seine Überraschung verriet. »Wir haben uns unterwegs ausgeruht, und die Reise hat einen schwerwiegenden Grund, es geht um Leben und Tod. Ich verwende diese Worte mit Bedacht.«

Der Mann zögerte. »Es ist ungewöhnlich . «, begann er.

»Die Angelegenheit ist ungewöhnlich«, unterbrach ihn Fidelma entschlossen.

»Du bist die Schwester des Königs von Muman, Lady. Außerdem bist du Nonne, und dein Ruf als dalaigh ist auch in Fearna nicht unbekannt. Darf ich fragen, in welcher Eigenschaft du kommst? Der König ist stets bereit, Besucher aus den Nachbarländern zu empfangen, besonders die Schwester Colgüs von Cashel ...«

Fidelma unterbrach ihn mit einer raschen Handbewegung. Sie hatte keinen Sinn für die Schmeichelei, mit der er seine Fragen umkleidete.

»Ich bin nicht als Schwester des Königs von Mu-man hier, sondern als dalaigh bei Gericht mit dem Grad eines anruth.« Fidelmas Ton war kühl und bestimmt.

Der Verwalter hob den Arm mit einer seltsamen Geste, die Einverständnis andeuten sollte.

»Wenn du dann so gut sein willst, hier zu warten, werde ich den Willen des Königs erfragen.«

Man ließ Fidelma zwanzig Minuten warten, bis der Verwalter zurückkehrte. Der Befehlshaber der Wache, der bei ihnen geblieben war, wurde immer verlegener und trat von einem Fuß auf den anderen. Fidelma war zwar verärgert, doch er tat ihr leid. Als er sich schließlich räusperte und nach Entschuldigungen suchte, erklärte sie ihm lächelnd, es sei schließlich nicht seine Schuld.

Endlich erschien der Verwalter wieder, mit etwas betretener Miene wegen der Zeit, die es gedauert hatte, ihren Wunsch dem König vorzutragen und seine Antwort zu überbringen.

»Fianamail erklärt sich bereit, dich zu empfangen«, sagte der Alte und schlug die Augen nieder vor ihrem zornigen Blick. »Willst du mir bitte folgen?« Er zögerte und sah Dego an. »Deine Begleiter müssen natürlich hier warten.«



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