»Laß euren Verwalter holen«, forderte sie ihn auf. »Sag dem rechtaire, es ist Fidelma von Cashel, und sie ersucht um ein Gespräch mit Fianamail.«

Der Befehlshaber der Wache erkannte den Rang der jungen Nonne, die da Einlaß begehrte, und war überrascht. Nach einer steifen kleinen Verbeugung wandte er sich ab und schickte einen seiner Männer auf die Suche nach dem rechtaire, dem Verwalter der königlichen Hofhaltung. Er erkundigte sich höflich, ob Fidelma und ihre Begleiter absteigen und sich in den Schutz des Wachraums begeben möchten. Auf ein Fingerschnipsen eilten Stalljungen herbei, die sich um die Pferde kümmerten, während Fidelma und ihre Gefährten einen Raum mit einem prasselnden Feuer betraten. Ihr Empfang war nicht gerade überschwenglich gewesen, doch war das Mindestmaß an Höflichkeit gewahrt worden, das das Gesetz der Gastfreundschaft erforderte.

Schon nach wenigen Augenblicken kam der Verwalter der königlichen Hofhaltung herbeigeeilt.

»Fidelma von Cashel?« Er war ein älterer Mann mit sorgfältig gekämmtem Silberhaar, und sein Aussehen und seine Kleidung deuteten darauf hin, daß er ebenso penibel mit seinem Äußeren wie in der Einhaltung des Hofprotokolls war. Er trug eine silberne Amtskette. »Wie ich höre, ersuchst du um ein Gespräch mit dem König?«

»Das ist richtig«, erwiderte Fidelma. »Es handelt sich um eine sehr dringliche Angelegenheit.«

Sein Gesicht blieb ernst. »Ich bin sicher, daß sich das einrichten läßt. Vielleicht möchten du und ...« -sein Blick streifte Dego, Aidan und Enda -, »und deine Begleiter ... vielleicht möchtet ihr euch frisch machen und ausruhen, und ich treffe inzwischen die Verabredung?«



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