
Als Fidelma eintrat, erhob er sich nicht, wie es die Höflichkeit erfordert hätte, sondern deutete nur flüchtig auf einen Stuhl an der anderen Seite des großen Kamins.
»Ich erinnere mich gut an dich, Fidelma von Cashel«, begrüßte er sie. Kein Lächeln und keine Wärme zeigte sich in seinen scharfen, berechnenden Zügen.
»Ich mich auch an dich«, erwiderte Fidelma mit gleicher Kälte.
»Kann ich dir eine Erfrischung anbieten?« Der junge Mann wies mit lässiger Geste auf einen nahen Tisch, auf dem Wein und Met standen.
Fidelma schüttelte rasch den Kopf. »Die Angelegenheit, über die ich mit dir sprechen möchte, ist dringend.«
»Dringend?« Fianamail hob fragend die Augenbrauen. »Was könnte das für eine Angelegenheit sein?«
»Die Angelegenheit Bruder Eadulfs von Seaxmund’s Ham. Hast du nicht die Botschaften von meinem Bruder erhalten, in denen er die Besorgnis von Cashel ausdrückte und bat .«
Fianamail richtete sich plötzlich auf und zog die Brauen zusammen.
»Eadulf? Der Angelsachse? Ich bekam eine Botschaft, aber ich verstand sie nicht. Warum ist Cashel an dem Angelsachsen interessiert?«
»Bruder Eadulf von Seaxmund’s Ham ist ein Gesandter zwischen meinem Bruder und Theodor von Canterbury«, erklärte sie ihm. »Ich bin hergekommen, um ihn gegen das zu verteidigen, dessen er angeklagt wird.«
Fianamails Lippen öffneten sich leicht, wie aus Freude.
»Ich habe das Verfahren so lange hinausgezögert, wie ich konnte, aus Rücksicht auf deinen Bruder, den König. Leider vergeht die Zeit.«
