
»Ich glaube, du vergißt das Gesetz, Fianamail von Laigin. Selbst die Bußgesetze sehen das Recht vor, Berufung einzulegen.«
»Berufung?« Fianamail machte ein erstauntes Gesicht. »Aber das Urteil ist von meinem Brehon gefällt worden. Ich habe es bestätigt. Dagegen ist keine Berufung möglich.«
»Es gibt einen höheren Richter als deinen Brehon«, erklärte ihm Fidelma. »Der Oberrichter von Eireann kann herbeigerufen werden. Ich glaube, er wird einiges zur Frage der Bußgesetze zu sagen haben.«
»Mit welcher Begründung willst du eine solche Berufung beim Oberrichter der fünf Königreiche einlegen?« fragte Fianamail spöttisch. »Du hast keine Ah-nung von dem Fall und von der Beweislage. Außerdem findet die Hinrichtung morgen statt, und wir können nicht eine Woche damit warten, bis der Oberrichter eintrifft.«
Sein selbstzufriedenes Lächeln reizte Fidelma zum Zorn, und sie bemühte sich, ihn zu beherrschen.
»Bis ich den Fall untersucht habe, appelliere ich an dich, die Vollstreckung des Urteils aufzuschieben, mit der Begründung, daß Bruder Eadulf von Seaxmund’s Ham möglicherweise nicht richtig verteidigt wurde und daß das Gericht seine Rechte nicht genügend berücksichtigt hat.«
Fianamail lehnte sich mit einer Miene offenen Hohns zurück.
»Das hört sich an wie der Mut der Verzweiflung, Fidelma von Cashel. Du klammerst dich an einen Strohhalm. Nun, hier hast du keine Zuhörerschaft, an die du dich wenden kannst. Nicht wie in Ros Ailithir, wo du die Zuhörer gegen mich und Bischof Forbas-sach beeinflußt hast. Hier habe ich die letzte Entscheidung.«
