Theodor von Canterbury, der Erzbischof und Berater aller angelsächsischen Königreiche, schickte Eadulf als seinen persönlichen Abgesandten zu meinem Bruder. Deshalb besitzt er einen Sühnepreis von acht cumals, halb so hoch wie dein eigener Sühnepreis als König von Laigin. Er hat die Rechte und genießt den Schutz eines Botschafters. Und er kann den halben Sühnepreis seines Dienstherrn beanspruchen. Auf dem Rückweg zu Theodor von Canterbury mit Botschaften meines Bruders behält Eadulf denselben Sühnepreis und steht im Dienst meines Bruders. Das Gesetz spricht sich eindeutig über den Schutz aus, den es einem Abgesandten zwischen einem König und einem Erzbischof zubilligt.«

»Aber er beging einen Mord«, wandte Fianamail ein.

»Das behaupten deine Gerichte«, stimmte ihm Fidelma zu. »Doch die Umstände müssen geprüft werden, denn heißt es nicht im Bretha Nemed, daß Diener des Königs Gewalttaten zur Selbstverteidigung in Erfüllung ihrer Pflichten straflos begehen dürfen? Welche Gründe gab es denn für sein Verbrechen? Es kann gut sein, daß er Immunität genießt. Hat man das berücksichtigt?«

Fianamail war sichtlich verwirrt von ihren juristischen Kenntnissen. Er hatte ihnen nichts entgegenzusetzen und gab das auch zu.

»Ich bin nicht so bewandert in der Rechtskunde wie du, Fidelma von Cashel«, gestand er. »Ich muß mich darüber beraten lassen.«

»Dann laß gleich deinen Brehon holen; soll er mir gegenüberstehen, und wir diskutieren die Präzedenzfälle.«

Fianamail stand auf, schüttelte den Kopf und schenkte sich am Tisch ein Glas Wein ein.

»Er ist jetzt nicht hier. Ich erwarte ihn erst morgen zurück.«

»Dann mußt du dir ohne ihn dein eigenes Urteil bilden, Fianamail. Ich habe dich, was das Gesetz betrifft, nicht belogen. Bei meiner Ehre als dalaigh und mit oder ohne Rat deines Brehons, wenn in diesem Königreich ein falsches oder irrtümliches Urteil gefällt worden ist, dann kann es dir passieren, daß du nicht für den richtigen König gehalten wirst und dich einem höheren Gericht stellen mußt. Kein König besitzt eine größere Vollmacht als das Gesetz.«



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