Am anderen Ende herrschte einen Moment lang Schweigen. »Du kannst nicht weg? Meine Freunde sagen alle, wie froh du sein kannst, weil du einen Beruf hast, bei dem du nur ein, zwei Stunden am Tag arbeiten musst.«

»Ich nehme an, ich habe eben einfach Glück«, sagte Dana.

Als Nachrichtenmoderatorin trat Dana jeden Morgen um neun Uhr im Fernsehstudio an und brachte den Großteil des Tages am Telefon zu, um sich in internationalen Konferenzschaltungen die neuesten Nachrichten aus London, Paris, Italien und anderen Brennpunkten des Weltgeschehens zu besorgen. In der übrigen Zeit waren Konferenzen angesetzt, bei denen die Nachrichtenblöcke zusammengestellt und beschlossen wurde, was wann und in welcher Reihenfolge ausgestrahlt werden sollte. Immerhin hatte sie zwei Sendungen pro Abend.

»Ist doch schön, dass du so einen angenehmen Beruf hast, mein Schatz.«

»Danke, Mutter.«

»Du kommst doch bald mal vorbei und besuchst mich, nicht?«

»Ja, bestimmt.«

»Ich kann’s kaum erwarten, den süßen kleinen Jungen kennen zu lernen.«

Auch Kemal wird es gut tun, wenn er sie kennen lernt, dachte Dana. Dann hat er auch eine Großmutter. Und wenn Jeff und ich verheiratet sind, hat Kemal wieder eine richtige Familie.

Als Dana auf den Flur ihres Mietshauses trat, kam Mrs. Wharton aus der Tür.

»Ich möchte mich bei Ihnen dafür bedanken, dass Sie sich vorgestern Morgen um Kemal gekümmert haben, Dorothy. Ich bin Ihnen dafür sehr verbunden.«

»Hab ich doch gern gemacht.«

Dorothy Wharton und ihr Mann Howard waren vor einem Jahr in das Haus gezogen. Sie waren Kanadier, beide um die fünfzig und ein reizendes Paar. Howard Wharton war Bauingenieur und auf das Restaurieren von Denkmälern spezialisiert.

»Was meine Arbeit angeht«, hatte er Dana eines Abends beim Essen erklärt, »gibt’ s auf der ganzen Welt keine bessere Stadt als Washington. Wo krieg ich denn sonst so viele Aufträge?« Und er hatte die Frage gleich selbst beantwortet. »Nirgendwo.«



22 из 265