Die ganze Zeit über war sie wütend auf sich selbst, weil sie es nicht schaffte, ihm den Laufpass zu geben. Aber das war seit Jahren ihr Problem. Seit dreizehn Jahren, genau gesagt. Ach, verdammt, dachte sie, ich hasse die Liebe!

Schließlich klingelte das Telefon doch noch, ihr Handy, als sie auf der Rückfahrt vom Strand schon fast daheim angekommen war. Sie hatte es auf dem Sitz neben sich liegen, und keine fünf Minuten vor dem Stück holprigem Gehweg, von wo der betonierte Fußweg zu ihrer Haustür abbog, begann es zu klingeln. Sie nahm das Gespräch an und hörte Matts Stimme.

«Hallo, du Schöne. «Er wirkte ausgesprochen gut gelaunt.

«Hallo!«Sie ärgerte sich über die Erleichterung, die in ihr hochschoss, als wäre eine Flasche gärender Angst entkorkt worden, und sagte weiter nichts.

Er verstand sofort.»Bist du sauer?«

Sie schwieg. Soll er ruhig schmoren, dachte sie.

«Jetzt hab ich wohl endgültig verspielt?«

«Wo warst du?«, fragte sie gereizt.»Ich dachte, du wolltest heute Morgen anrufen. Ich hab extra zu Hause gewartet. Ich hasse das, Matt. Wieso kapierst du das nicht? Wenn du keine Lust hast zu reden, dann sag es vorher, dann kann ich mich darauf einstellen. Warum hast du nicht angerufen?«

«Tut mir Leid. Ich wollte ja. Ich habe den ganzen Tag immer wieder daran gedacht.«

«Und — ?«

«Es klingt leider ziemlich dünn, China.«

«Versuch's trotzdem.«

«Okay. Gestern Abend wurde es plötzlich lausekalt. Ich bin den ganzen Morgen rumgerannt und habe versucht, einen anständigen Mantel zu finden.«

«Du konntest nicht von deinem Handy aus anrufen, während du unterwegs warst?«

«Ich habe es im Hotel liegen lassen. Tut mir wirklich Leid.«

Sie hörte die allgegenwärtigen Hintergrundgeräusche Manhattans, den Lärm, den sie immer hörte, wenn er aus New York anrief. Das Hupen der Autos in den Straßenschluchten, das Dröhnen der Presslufthämmer, das wie Geschützdonner klang.



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