
Jens Lyn murmelte einen Moment lang vor sich hin. Er ging die altnordischen Verbformen durch. Dann sagte er laut: »Hvat heitir maðrinn?«
Der Wikinger knurrte nur tief in der Brust und ignorierte die Frage.
»Was ist los?« fragte L. M. ungeduldig. »Ich dachte, Sie beherrschen diese Sprache? Kann er Sie nicht verstehen?«
»Sie müssen Geduld haben, Mister. Altnordisch ist seit mehr als tausend Jahren eine tote Sprache, die wir nur durch Schriften kennen. Isländisch kommt ihr noch am nächsten, deshalb benutze ich die isländische Betonung und Aussprache …«
»Gut, gut. Ich brauche keine Lektionen, ölt ihn mit ein paar Drinks, dann wird er schon reden.«
Tex schob dem Wikinger einen Stuhl in die Kniekehlen, und der Wilde setzte sich mit einem zornigen Blick. Barney holte aus der Bar hinter dem falschen Rembrandt eine Flasche Jack Daniels und goß ein Sodaglas halbvoll. Aber als er es dem Wikinger entgegenstreckte, warf der den Kopf nach hinten und rasselte mit den Ketten, die seine Handgelenke festhielten.
»Eitr!«
»Er glaubt, daß Sie ihn vergiften wollen«, sagte Lyn.
»Das werden wir gleich haben«, sagte Barney und hob das Glas an die Lippen. Er nahm einen langen Zug. Diesmal ließ sich der Wikinger das Glas geben. Er begann zu trinken. Seine Augen wurden immer größer, und er leerte es bis auf den letzten Tropfen.
»Odinn ok Frigg!«
»Wenn ihm die nicht schmecken soll!« meinte L. M. »Die Flasche kostet sieben Dollar fünfundzwanzig plus Steuern. Daheim hat er sowas sicher nicht. Fragen Sie ihn nochmals nach seinem Namen.«
Der Wikinger konzentrierte sich sichtlich, als die Frage mit verschiedenen Betonungen wiederholt wurde, und er gab bereitwillig Antwort, als er erst einmal verstanden hatte.
»Ottar«, sagte er und sah die Flasche sehnsüchtig an.
»Wenigstens etwas«, meinte L. M. und warf einen Blick auf die Schreibtischuhr. »Es ist auch vier Uhr morgens, und ich möchte noch einiges regeln. Fragen Sie diesen Ottar, wie es mit der Bezahlung steht — welche Währung haben diese Leute, Lyn?«
