
Bolitho trank den Kaffee und bemühte sich, den Schmerz in seiner Stirn zu ignorieren. Gedankenversunken strich er sich die widerspenstige Stirnlocke vom rechten Auge. Das schwarze Haar verdeckte eine bläuliche Narbe, die Ursache seines Kopfschmerzes. Er hatte sie sich während seiner Zeit auf der Destiny geholt. Oft kam es wieder über ihn, in Augenblicken wie diesem: die Illusion von Sicherheit, dann das plötzliche Getrappel von Füßen, das
Schlagen und Hacken von Waffen. Der heftige Schmerz, das Blut, die jähe Nacht.
Es klopfte an die äußere Tür, und kurz darauf sagte Mackenzie zu Sparke, dem dienstältesten anwesenden Offizier:»Verzeihung, Sir, der Fähnrich der Wache ist hier.»
Dieser stapfte so vorsichtig in die Messe, als schritte er über kostbare Seidenteppiche.
Sparke fragte kurz angebunden:»Was gibt es, Mr. Forbes?»
«Der Erste Offizier bittet alle Offiziere um zwei Glasen* in die Kommandantenkabine.»
«Ist gut. «Sparke wartete, bis die Tür geschlossen war.»Jetzt werden wir's erfahren, meine Herren. Vielleicht gibt es Wichtiges für uns zu tun.»
Anders als Cairns konnte der Zweite Offizier das plötzliche Aufleuchten seiner Augen nicht verbergen: dies bedeutete Beförderung, Prisengeld oder auch nur die Aussicht auf eigenen Einsatz, anstatt immer nur von anderen darüber zu hören.
Er sah Bolitho an.»Ich rate Ihnen, ein reines Hemd anzuziehen. Der Captain scheint Sie besonders im Auge zu haben.»
Bolitho streifte beim Aufstehen mit dem Kopf den Decksbalken. Zwei Jahre war er jetzt an Bord, aber außer bei einem Essen in der Kajüte zur Feier der Wiederindienststellung des Schiffes in Bristol hatte er die soziale Barriere zum Kommandanten nie überschritten: einem strengen, verschlossenen Mann, der trotzdem eine geradezu unheimliche Kenntnis von allem zu besitzen schien, was sich in den verschiedenen Decks seines Schiffes abspielte.
