Zwei alte Feinde

D'Artagnan kam in der Bastille an, als es eben halb neun Uhr schlug. Er ließ sich bei dem Gouverneur anmelden, und als dieser hörte, daß er mit einem Befehl und im Namen des Ministers komme, so ging er ihm bis zur Freitreppe entgegen. Der Gouverneur der Bastille war damals Herr du Tremblay, Bruder des Kapuziners Joseph, Günstling von Richelieu, mit dem Beinamen: die graue Eminenz.

Als d'Artagnan dort ankam, um den Auftrag des Ministers zu vollziehen, empfing er ihn mit aller Artigkeit, und da er sich eben zu Tische setzen wollte, so lud er d'Artagnan ein, mit ihm zu nachtmahlen. »Ich würde das mit dem größten Vergnügen annehmen,« entgegnete d'Artagnan, »allein wenn ich nicht irre, so steht auf dem Umschlag des Briefes: sehr eilig.«

»Es ist so,« sprach Herr du Tremblay.

»Holla Major, man lasse Nr. 256 herabkommen.«

Beim Eintritt in die Bastille hörte man auf, ein Mensch zu sein, man wurde bloß eine Nummer. Es ertönte ein Glockenschlag. »Ich verlasse Sie,« sprach Herr du Tremblay zu ihm, »man ruft mich, daß ich die Wegbringung des Gefangenen unterfertigen möge. Auf Wiedersehen, Herr d'Artagnan!« Es waren keine zehn Minuten vergangen, als der Gefangene erschien. D'Artagnan machte bei seinem Anblick eine Bewegung der Überraschung, die er aber sogleich unterdrückte. Der Gefangene stieg in den Wagen, ohne daß es schien, daß er d'Artagnan erkannt habe. »Meine Herren,« sprach d'Artagnan zu den vier Musketieren, »man empfahl mir die größte Wachsamkeit für den Gefangenen, und da der Wagen an seinen Schlägen keine Schlösser hat, so will ich mich zu ihm hineinsetzen. Herr von Lillebonne, seid so gefällig und führt mein Pferd am Zügel.«

»Mit Vergnügen, mein Leutnant,« antwortete der Gebetene. D'Artagnan stieg ab, gab dem Musketier den Zügel seines Pferdes, setzte sich in die Kutsche neben den Gefangenen, und sagte mit einer Stimme, an der sich unmöglich die mindeste Gemütsbewegung erkennen ließ: »Im Trab - nach dem Palais Royal!«



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