
Man hatte bereits vier oder fünf Mäntel mit unvergleichlicher Geschicklichkeit geraubt, ohne daß diejenigen, welchen man sie entriß, ein Wort zu reden wagten, als es einem mir unbekannten Kalbskopf einfiel, die Wache herbeizurufen und eine Runde Polizeisoldaten auf uns heranzuziehen. Der Herzog d'Harcourt, Fontrailles und die andern ergriffen die Flucht, dasselbe wollte de Rieux tun. Ich hielt ihn aber zurück und sprach zu ihm, man würde uns da, wo wir waren, nicht suchen. Er achtete nicht auf mich, setzte den Fuß auf den Sporen, um hinabzusteigen; der Sporen brach, er stürzte, brach ein Bein, und anstatt zu schweigen, fing er wie ein Gehenkter zu schreien an. Ich wollte gleichfalls hinabspringen, doch war es schon zu spät; ich sprang in die Arme der Büttel, welche mich nach dem Chatel führten, wo ich ruhig einschlief, in der festen Überzeugung, daß ich morgen wieder frei sein würde. Es verfloß der folgende Tag, der zweite Tag -es vergingen acht Tage - sonach schrieb ich an den Kardinal. An demselben Tage holte man mich ab und führte mich in die Bastille, wo ich seit fünf Jahren schmachte. Glaubt Ihr wohl, es war ob des Frevels, daß ich mich hinter Heinrich IV. setzte?«
»Nein, Ihr habt recht, lieber Rochefort, deshalb kann es nicht sein, doch werdet Ihr wahrscheinlich die Ursache erfahren.«
»Ach ja, ich vergaß, Euch zu fragen, wohin Ihr mich führet.«
»Zu dem Kardinal.«
»Was will er von mir?«
»Das weiß ich nicht; ja, ich wußte es nicht einmal, daß Ihr es wäret, den ich holen mußte.«
»Unmöglich! Ihr ein Günstling?«
»Ich, ein Günstling?« rief d'Artagnan. »Ach mein armer Graf, ich bin jetzt mehr ein gascognischer Junker als damals, wo ich Euch, wie Ihr wißt, vor etwa zwanzig Jahren in Meung gesehen habe!« Und ein schwerer Seufzer folgte auf die Antwort. »Ihr kommt indes mit einem Befehle?«