
»Er ist tot, mein Herr, und es ist ein großer Verlust,« erwiderte der Kardinal. »Er war ein getreuer Diener der Königin, und treue Männer sind selten.«
»Bei Gott, das glaube ich,« versetzte Rochefort. »Wenn Sie welche haben, so werden sie in die Bastille geschickt.«
»Doch was beweist denn die Treue?« fragte Mazarin. »Die Tat,« erwiderte Rochefort. »Ach, ja! die Tat!« wiederholte der Minister nachdenkend. »Wo finden sich aber tatkräftige Männer?«
»Ich kannte Leute, welche durch ihre Gewandtheit den Scharfblick Richelieus hundertmal täuschten, und durch ihre Tapferkeit seine Garden und seine Kundschafter schlugen.«
»Allein diese Leute, von welchen Ihr da sprechet,« versetzte Mazarin, der im Herzen darüber lächelte, daß Rochefort dahin kam, wohin er ihn bringen wollte, - »diese Leute waren dem Kardinal nicht ergeben, da sie wider ihn stritten.«
»Nein, sie würden besser belohnt worden sein, doch hatten sie das Unglück, daß sie dieser Königin, für welche Sie eben Diener suchen, ergeben waren.«
»Woher könnt Ihr aber das wissen?«
»Ich weiß das, weil jene Leute damals meine Feinde waren, weil sie gegen mich stritten, weil ich ihnen so viel Böses zufügte, als ich nur konnte, weil sie es mir wieder aus allen Kräften vergalten, weil mir einer von ihnen, mit dem ich es persönlich am meisten zu tun hatte, vor etwa sieben Jahren einen Degenstich beigebracht hat - und das war der dritte von derselben Hand - der Abschluß einer alten Rechnung.«
»Ach,« sprach Mazarin mit seltener Gutmütigkeit, »wären mir doch solche Männer bekannt! ...«
»Nun, gnädigster Herr! Einen davon haben Sie seit sechs Jahren vor Ihrer Tür, und hielten ihn sechs Jahre lang zu nichts tauglich.«
»Wen?«
»Herrn d'Artagnan!«
»Dieser Gascogner?« rief Mazarin mit einer ganz gut gespielten Befremdung. »Dieser Gascogner hat eine Königin gerettet, und Herrn von Richelieu einsehen lassen, daß er in Hinsicht auf Schlauheit, Gewandtheit und Politik nur ein Schüler sei.«
