
Dann machte ich die Tagesdecke auf meiner Seite des Betts frei und wickelte sie ihr um den Kopf - jedoch zu spät, um den ersten aus ihrer Halsschlagader spritzenden Blutstrahl auffangen zu können. Dieser Strahl war mir ins Gesicht gegangen, so dass mir jetzt heißes Blut von Kinn, Nase und Augenbrauen tropfte.
Hinter mir verstummten Henrys Schreie. Ich drehte mich um und sah, dass Gott Erbarmen mit ihm gehabt hatte (vorausgesetzt, dass Er sich nicht von uns abgewandt hatte, als Er sah, was wir vorhatten): Er war ohnmächtig geworden. Ihr Umsichschlagen wurde schwächer. Schließlich lag sie still da … aber ich blieb ausgestreckt auf ihr und drückte sie auf die Tagesdecke, die nun mit ihrem Blut getränkt war. Ich erinnerte mich daran, dass sie nie etwas bereitwillig getan hatte. Und ich behielt recht. Nach dreißig Sekunden (die blecherne Uhr aus dem Versandhandel zählte sie ab) bäumte sie sich noch einmal auf und wölbte das Rückgrat diesmal so kräftig, dass sie mich fast abwarf. Ride’em, Cowboy, dachte ich. Vielleicht sagte ich es auch laut. Daran kann ich mich nicht mehr erinnern, so wahr mir Gott helfe. An alles andere, aber nicht daran.
Sie sank erschöpft zusammen. Ich zählte weitere dreißig blecherne Ticklaute, dann noch einmal dreißig, um ganz sicherzugehen. Auf dem Fußboden bewegte Henry sich und stöhnte. Erst schien er sich aufsetzen zu wollen, überlegte sich die Sache dann aber wohl anders. Er kroch in die entfernteste Ecke des Zimmers und rollte sich dort zu einer Kugel zusammen.
»Henry?«, sagte ich.
Nichts von der zusammengerollten Gestalt in der Ecke.
»Henry, sie ist tot. Sie ist tot, und ich brauche Hilfe.«
Wieder nichts.
»Henry, für eine Umkehr ist es jetzt zu spät. Die Tat ist geschehen. Wenn du nicht ins Gefängnis willst - und dein
