»Wie?«, fragte er. »Wann?«

Ich sagte es ihm.

»Und wir können danach hier weiterleben?«

Ich bejahte es.

»Und es tut ihr nicht weh?«

»Nein«, sagte ich. »Es geht ganz schnell.«

Er wirkte zufrieden. Es hätte allerdings noch immer nicht passieren müssen, hätte Arlette sich anders verhalten.

Wir entschieden uns für einen Donnerstagabend ungefähr in der Mitte eines Junis, der zu den schönsten gehörte, an die ich mich erinnern kann. An Sommerabenden trank Arlette gern einmal ein Glas Wein, jedoch selten mehr. Aus gutem Grund. Sie gehörte zu den Menschen, die nie zwei Gläser trinken können, ohne vier, dann sechs, dann die ganze Flasche zu leeren. Und eine zweite Flasche, wenn eine da ist. »Ich muss sehr vorsichtig sein, Wilf. Der schmeckt mir zu gut. Zum Glück habe ich einen starken Willen.«

An jenem Abend saßen wir auf der Veranda, beobachteten den letzten Lichtschimmer über den Feldern und horchten auf das einschläfernde Zirpen der Grillen. Henry war in seinem Zimmer. Er hatte sein Abendessen kaum angerührt, und während Arlette und ich in unseren Schaukelstühlen saßen, deren Kissen passenderweise mit MA und PA bestickt waren, glaubte ich, ein leises Geräusch zu hören, so als müsste er sich übergeben. Ich weiß noch, wie ich dachte, dass er im entscheidenden Moment wohl schlappmachen würde. Seine Mutter würde morgen früh verkatert aufwachen, ohne zu ahnen, wie nahe sie daran gewesen war, nie wieder einen Sonnenaufgang in Nebraska zu erleben. Trotzdem machte ich wie geplant weiter. Weil ich einer dieser russischen Matroschka-Puppen glich? Vielleicht. Vielleicht ist jeder Mann so. In mir steckte der Hinterhältige, aber in dem Hinterhältigen steckte wiederum der Hoffnungsvolle. Dieser Bursche starb irgendwann zwischen 1922 und 1930. Der Hinterhältige verschwand einfach, nachdem sein schändliches Werk getan war. Ohne seine ehrgeizigen, wiewohl unredlichen Pläne kam mir das Leben nur noch hohl vor.



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