In den folgenden zehn Minuten theologisierten wir im grünen Mais, während die Frühsommerwolken - jene willkommenen Wolken, die wie Schoner schwimmen - langsam über uns hinwegsegelten und ihre Schatten wie Kielwasser hinter sich herzogen. Ich setzte ihm auseinander, dass wir Arlette keineswegs in die Hölle, sondern in den Himmel schicken würden. »Denn«, sagte ich, »ein Ermordeter oder eine Ermordete stirbt nicht auf Geheiß Gottes, sondern durch Menschenhand. Er … oder sie … wird aus dem Leben gerissen, bevor er … oder sie … alle Sünden wiedergutmachen kann. Also müssen alle Irrtümer vergeben werden. Wenn man die Sache so betrachtet, ist jeder Mörder eine Himmelspforte.«

»Aber was ist mit uns, Papa? Würden wir nicht in die Hölle kommen?«

Ich deutete auf die Felder, auf das schöne neue Wachstum. »Wie kannst du das sagen, wo du um uns herum

Er starrte mich beunruhigt an. Finster. Ich bedauerte es, das Wesen meines Sohns solcherart zu verfinstern, aber irgendwie glaubte ich damals - und tue es noch heute -, dass nicht ich ihm das antat, sondern sie.

»Und denk daran«, sagte ich. »Wenn sie nach Omaha geht, dann gräbt sie sich selbst einen noch tieferen Höllenpfuhl. Wenn sie dich mitnimmt, wirst du ein Stadtjunge …«

»Niemals!« Er rief das so laut, dass die Krähen vom Weidezaun aufflogen, um wie verkohltes Papier durch den blauen Himmel davonzuwirbeln.

»Du bist jung, und du wirst einer werden«, sagte ich. »Du wirst all das hier vergessen … du wirst das Stadtleben annehmen … und anfangen, deinen eigenen Höllenpfuhl zu graben.«

Hätte er erwidert, Mörder dürften nicht darauf hoffen, wie ihre Opfer in den Himmel zu kommen, wäre ich vermutlich um eine Antwort verlegen gewesen. Aber entweder reichte sein theologisches Verständnis nicht so weit oder er wollte nicht über solche Dinge nachdenken. Gibt es die Hölle überhaupt, oder erschaffen wir sie uns auf Erden selbst? Wenn ich an die letzten acht Jahre meines Lebens zurückdenke, plädiere ich für Letzteres.



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