Aber mit der Zeit wurde das Kampffeld der Touristen auch in die enge Straße vorgetrieben, in der Onkel Maggiore sein Kaffeehaus begonnen hatte. Onkel Maggiore war Geschäftsmann. Er ließ sein Etablissement umgestalten, und bald konnte man moderne Wandgemälde bewundern, antike Tische, eine automatische Kasse, und das alles bei Musik von Muzak. Maggiore war überzeugter Junggeselle. Er hatte es immer verstanden, hinreichend Geld zu verdienen; und so war er jetzt in der Lage, seinen Neffen besser zu bezahlen, als er es verdiente. Er hätte sich etwas leisten könne, aber er war von Natur aus vorsichtig, und so saß er lieber auf seinem Geld und grollte. Seit Jahren machte sich in ihm eine leichte Abscheu gegen sein Geschäft, breit, und schon früh nahm er sich einen Geschäftsführer, der ihn vertreten konnte und der es ihm erlaubte, möglichst oft dem Espresso Maggiore fernzubleiben. Dafür sah man ihn immer häufiger bei den älteren Herren in schwarzen Überziehern auf dem Washington Square, wo sie sich alltäglich trafen, um an den runden Steintischen des Parkamtes Schach zu spielen.

Als der junge Lucas auf dem Pennsylvania Bahnhof ankam, war sein Onkel schon da, um ihn zu begrüßen. Der große alte Mann lief auf seinen Neffen zu, umarmte ihn und klopfte ihm kräftig auf die Schultern.

»Ah! Lucas! Bello nipotino! E la Mama, il Papa — come lei portano?«

»Es geht ihnen gut, Onkel Lucas. Sie lassen dich grüßen.«

»Ist prima, daß du da bist. Du weißt — ich mag dich, du magst mich — molto bene.« Er hatte Lucas Koffer genommen und war auf den Eingang der Untergrundbahn zugegangen. »Frau Dormiglione, meine Wirtin, hat ein Zimmer für dich fertig gemacht. Billig. Prima Zimmer. Ausgezeichnet. Die alte Frau ist ein wenig gebrechlich, sie kann nicht mehr putzen; das mußt du selbst tun. Dafür läßt sie dich auch in Ruhe. Lucas, du bist jung, und junge Leute sollen unter sich sein. Du bist achtzehn, nicht wahr, und solltest etwas vom Leben mitbekommen.« Er deutete mit dem Kopf auf ein entgegenkommendes, junges Mädchen.



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