
Lucas wußte nicht recht, was er sagen sollte. Er folgte seinem Onkel, stieg mit ihm in den unterirdischen Expreßzug ein und wartete darauf, daß der alte Herr die Unterhaltung wieder aufnahm.
In der Vierten Straße stiegen sie aus. Das Haus, in dem Onkel Maggiore wohnte, war unweit West Broadway gelegen. Der Onkel wohnte auf dem obersten Stockwerk, während Lucas. Zimmer auf Straßenhöhe lag. Es hatte einen eigenen kleinen Vorgarten und einen separaten Eingang. Onkel Maggiore stellte Lucas der Hauswirtin vor, gab ihm etwas Zeit, sich frisch zu machen, und nahm ihn gleich mit in das Geschäft.
Auf halbem Weg sagte der Onkel plötzlich: »Lucas und ich auch Lucas ist zuviel! Hat Matteo dich nie anders genannt?«
Lucas überlegte. »Doch. Vater hat mich manchmal Tedeschino gerufen.«
»Prima! Im Geschäft heißt du Tedeschino. In Ordnung?«
»In Ordnung!«
Unter diesem Namen stellte Onkel Maggiore seinen Neffen im Geschäft vor. Er gab ihm den ersten Tag frei, steckte ihm einen Wochenlohn in die Tasche und bat ihn, am nächsten Tag um zwölf zur Arbeit zu kommen. Nach dieser Einleitung sahen sich Onkel und Neffe nur gelegentlich. Es kam vor, daß der Onkel Lucas zum Essen einlud und mit ihm Schallplatten in Frau Dormigliones Wohnzimmer anhörte, im übrigen aber ließ er den Jungen allein, so daß dieser sich sein Leben selbst einrichten konnte. Onkel Maggiore stand im Hintergrund, immer bereit, einzuspringen, wenn Lucas Gefahr lief, in ernsthafte Schwierigkeiten zu geraten. Er glaubte, für den Jungen das Beste getan zu haben, und er sollte rechtbehalten.
Lucas verbrachte den ersten Tag in New York allein. Er hatte eine feste Anstellung hinter sich und fühlte sich sicher und getragen. Es würde ihm vielleicht ein wenig leichter gefallen sein, in dem Leben der Stadt aufzugehen. Überall glaubte er eine unüberwindliche Reserve zu spüren. Die Menschen schienen nervös zu sein und keinen Sinn für Muße zu haben.
