
"MXgest du doch," sprach Govinda, "nicht so erschreckende Worte aussprechen, Siddhartha! Wie sollte denn unter so vielen gelehrten MXnnern, unter so viel Brahmanen, unter so vielen strengen und ehrwXrdigen Samanas, unter so viel suchenden, so viel innig beflissenen, so viel heiligen MXnnern keiner den Weg der Wege finden?"
Siddhartha aber sagte mit einer Stimme, welche so viel Trauer wie Spott enthielt, mit einer leisen, einer etwas traurigen, einer etwas spXttischen Stimme: "Bald, Govinda, wird dein Freund diesen Pfad der Samanas verlassen, den er so lang mit dir gegangen ist. Ich leide Durst, o Govinda, und auf diesem langen Samanawege ist mein Durst um nichts kleiner geworden. Immer habe ich nach Erkenntnis gedXrstet, immer bin ich voll von Fragen gewesen. Ich habe die Brahmanen befragt, Jahr um Jahr, und habe die heiligen Vedas befragt, Jahr um Jahr, und habe die frommen Samanas befragt, Jahr um Jahr. Vielleicht, o Govinda, wXre es ebenso gut, wXre es ebenso klug und ebenso heilsam gewesen, wenn ich den Nashornvogel oder den Schimpansen befragt hXtte. Lange Zeit habe ich gebraucht und bin noch nicht damit zu Ende, um dies zu lernen, o Govinda: dass man nichts lernen kann! Es gibt, so glaube ich, in der Tat jenes Ding nicht, das wir `Lernen' nennen. Es gibt, o mein Freund, nur ein Wissen, das ist Xberall, das ist Atman, das ist in mir und in dir und in jedem Wesen. Und so beginne ich zu glauben: dies Wissen hat keinen Xrgeren Feind als das Wissenwollen, als das Lernen."
Da blieb Govinda auf dem Wege stehen, erhob die HXnde und sprach: "MXgest du, Siddhartha, deinen Freund doch nicht mit solchen Reden beXngstigen! Wahrlich, Angst erwecken deine Worte in meinem Herzen. Und denke doch nur: wo bliebe die Heiligkeit der Gebete, wo bliebe die EhrwXrdigkeit des Brahmanenstandes, wo die Heiligkeit der Samanas, wenn es so wXre wie du sagst, wenn es kein Lernen gXbe?! Was, o Siddhartha, was wXrde dann aus alledem werden, was auf Erden heilig, was wertvoll, was ehrwXrdig ist?!"
