Auch Siddhartha fXhlte Sehnsucht und den Quell des Geschlechts sich bewegen; da er aber noch nie ein Weib berXhrt hatte, zXgerte er einen Augenblick, wXhrend seine HXnde schon bereit waren, nach ihr zu greifen. Und in diesem Augenblick hXrte er, erschauernd, die Stimme seines Innern, und die Stimme sagte Nein. Da wich vom lXchelnden Gesicht der jungen Frau aller Zauber, er sah nichts mehr als den feuchten Blick eines brXnstigen Tierweibchens. Freundlich streichelte er ihre Wange, wandte sich von ihr und verschwand vor der EnttXuschten leichtfXig in das BambusgehXlze.

An diesem Tage erreichte er vor Abend eine groXe Stadt, und freute sich, denn er begehrte nach Menschen. Lange hatte er in den WXldern gelebt, und die stroherne HXtte des FXhrmanns, in welcher er diese Nacht geschlafen hatte, war seit langer Zeit das erste Dach, das er Xber sich gehabt hatte.

Vor der Stadt, bei einem schXnen umzXunten Haine, begegnete dem Wandernden ein kleiner Tross von Dienern und Dienerinnen, mit KXrben beladen. Inmitten in einer geschmXckten SXnfte, von Vieren getragen, saX auf roten Kissen unter einem bunten Sonnendach eine Frau, die Herrin. Siddhartha blieb beim Eingang des Lusthaines stehen und sah dem Aufzuge zu, sah die Diener, die MXgde, die KXrbe, sah die SXnfte, und sah in der SXnfte die Dame. Unter hochgetXrmten schwarzen Haaren sah er ein sehr helles, sehr zartes, sehr kluges Gesicht, hellroten Mund wie eine frisch aufgebrochene Feige, Augenbrauen gepflegt und gemalt in hohen Bogen, dunkle Augen klug und wachsam, lichten hohen Hals aus grXn und goldenem Oberkleide steigend, ruhende helle HXnde lang und schmal mit breiten Goldreifen Xber den Gelenken.

Siddhartha sah, wie schXn sie war, und sein Herz lachte. Tief verneigte er sich, als die SXnfte nahe kam, und sich wieder aufrichtend blickte er in das helle holde Gesicht, las einen Augenblick in den klugen hochXberwXlbten Augen, atmete einen Hauch von Duft, den er nicht kannte. LXchelnd nickte die schXne Frau, einen Augenblick, und verschwand im Hain, und hinter ihr die Diener.



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