Bolitho war aufgesprungen, als hielte es ihn nicht länger auf seinem Stuhl.

«Aus Kent?«Er lächelte.»Vergeben Sie mir, Thomas, ich vergaß. Ich hatte zu viele eigene Sorgen im Kopf, um mich zu erkundigen: Wie war die Hochzeit?»

Aber als Herrick den Ablauf der Ereignisse zu schildern begann, der schließlich in der Hochzeit seiner Schwester mit seinem ehemaligen Ersten Offizier den Höhepunkt erreichte, schweiften Bo-lithos Gedanken schon wieder ab. Als er nach der Schlacht von Kopenhagen nach Falmouth zu-

rückgekehrt war, hatte er sich gefühlt wie der glücklichste und zufriedenste Mensch. Denn erstens hatte er überlebt; zweitens konnte er mit seinem Neffen Adam Pascoe und seinem Bootsmann und Freund John Allday ins Haus der Bolithos zurückkehren. Vor allem aber erwartete ihn dort Belinda. Immer noch konnte er nicht an sie denken, ohne jedesmal zu fürchten, daß diese Frau nur ein Traum, ein grausamer Scherz des Schicksals war, aus dem ihn eines Tages die bittere Wirklichkeit reißen würde.

Er hatte die Schlacht, das Geschwader und alles andere vergessen, als sie gemeinsam das alte Haus erforscht hatten, als seien sie hier fremd. Sie hatten Pläne geschmiedet, hatten sich geschworen, nicht eine einzige Minute von Bolithos Landurlaub zu vergeuden.

Es gingen sogar Gerüchte über einen Friedensschluß um. Nach dem jahrelangen Krieg, nach Blockade und gewaltsamem Tod sollten nun endlich Geheimverhandlungen in London und Paris stattfinden, in denen es um einen Waffenstillstand ging, um eine Atempause, bei der keine der kriegführenden Parteien fürchten mußte, an Prestige zu verlieren. Für Bolitho hatte das in seinem Glücksrausch ganz plausibel geklungen.



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