
Dick Francis
Angst
Kapitel 1
Art Mathews erschoß sich, zu aller Verwunderung, mitten im Paradezirkel auf der Pferderennbahn Dunstable.
Ich stand nur zwei Meter von ihm entfernt, aber es ging so schnell, daß ich ihn nicht einmal hätte abhalten können, wenn wir Schulter an Schulter gewesen wären.
Er hatte den Umkleideraum vor mir verlassen, die schmalen Schultern unter der khakifarbenen Jacke hochgezogen, die er über dem Renndreß trug, den Kopf tief auf der Brust, als sei er in Gedanken. Mir war aufgefallen, daß er auf den beiden Stufen vom Wiegeraum zum Fußweg stolperte, und als ihn unterwegs jemand ansprach, reagierte er nicht. Aber es war der übliche Weg vom Wiegeraum zum Paradezirkel, ein Rennen wie hundert andere. Nichts deutete darauf hin, daß er nach einem kurzen Gespräch mit dem Eigentümer und Trainer des Pferdes, das er reiten sollte, seine Jacke ausziehen, unter ihr, während er sie auf den Boden fallen ließ, eine Pistole hervorholen, die Mündung an die Schläfe setzen und den Abzug durchziehen würde.
Ohne Zögern. Ohne Überlegungspause. Ohne Abschied. Die Gelassenheit dieses Vorgangs war ebenso schockierend wie seine Wirkung.
Er hatte nicht einmal die Augen geschlossen, und sie waren offen, als er zu Boden stürzte, mit dem Gesicht voraus ins Gras, und sein Helm davonrollte. Die Kugel war durch den Schädel gedrungen, und die Ausschußwunde war deutlich zu sehen. Der Knall des Pistolenschusses hallte auf dem Sattelplatz wider, verstärkt durch die hohe Rück-
wand der Tribüne. Köpfe drehten sich suchend, und das geschäftige Summen und Murmeln aus der Menge der Zuschauer wurde leiser und verstummte schließlich ganz, als die schreckliche, unglaubliche, unwiderlegbare Tatsache, daß auf dem hellgrünen Rasen die sterblichen Überreste Art Mathews lagen, keinen Zweifel mehr zuließ.
Mr. John Brewar, der Besitzer des Pferdes, das Art hätte reiten sollen, stand da mit offenem Mund, wie von einem genau gezielten Schlag betäubt.
