Er winkte mir zu, setzte seinen Tirolerhut schräg in die Stirn, sagte:»Bis morgen«, und verschwand.

Aber trotzdem war in der Rennwelt nicht alles in Ordnung. Ganz und gar nicht. Ich wußte nicht, woran es lag, ich sah nur die Symptome, und, weil ich erst zwei Jahre dabei war, vielleicht um so deutlicher. Zwischen Trainern und Jockeis schien konstante Verärgerung zu herrschen, immer wieder gab es Zusammenstöße, und eine unterschwellige Strömung von Mißtrauen und Groll war nicht zu übersehen.

Dahinter steckt mehr, dachte ich, als der übliche Dschungel unter der Oberfläche aller auf starkem Konkurrenzdruck beruhenden Geschäftszweige, mehr als das Gegenstück zu den Machtkämpfen in der Finanzwelt, aber Tick-Tock, vor dem allein ich meine Bedenken erwähnt hatte, war mit einer wegwerfenden Handbewegung darüber hinweggegangen.

«Du mußt auf der falschen Wellenlänge sein, Freundchen«, hatte er gesagt.»Schau dich doch um. Die Leute lächeln alle. Sie lächeln. Ich kann mich nicht beklagen.«

Die letzten Stücke verschwanden in den Körben, ein paar Deckel waren schon zugeklappt. Ich trank eine zweite Tasse ungezuckerten, lauwarmen Tee und starrte den englischen Kuchen an. Wie immer kostete es mich allerhand Überwindung, nicht ein Stück zu essen. Der ständige Hunger war das einzige, was mir am Rennsport nicht gefiel, und der September machte mir immer besonders zu schaffen, weil da noch der Rest vom Sommerfett heruntergehungert werden mußte. Ich seufzte, sah woanders hin und suchte mich damit zu beruhigen, daß in vier Wochen mein Appetit auf das Winterniveau abgesunken sein würde.

Mike, der mit einem Korb zur Tür hinausgewankt war, rief:»Rob, da will Sie einer von der Polizei sprechen.«

Ich stellte die Tasse ab und ging in den Wiegeraum hinaus. Ein älterer, unauffälliger Polizist mit einer zusammengedrückten Mütze erwartete mich mit dem Notizbuch in der Hand.



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