Der große Flügel, der meiner Mutter gehörte, lag zugeschneit unter einem Berg von Klavierpartituren, der seine Ausläufer bis auf den Boden vorangetrieben hatte. Zwei Notenständer lehnten schief an der Wand; an einem hing ein Violinbogen. Die Geige selbst hatte in einem Lehnsessel Platz gefunden. Der Kasten stand offen daneben. Ein Cello und ein Notenständer ruhten Seite an Seite, gleich einem Liebespaar, auf dem Sofa. Eine Oboe und zwei Klarinetten lagen neben einem weiteren Notenstapel auf einem Tisch, und rings im Zimmer und auf allen Stühlen häuften sich weiße Seidentaschentücher, Kolophoniumklumpen, Kaffeetassen und Taktstöcke.

Das Chaos mit gewiegtem Auge überblickend, diagnostizierte ich die kürzliche Anwesenheit meiner Eltern, zweier Onkel und eines Vetters. Da sie sich ohne ihre Instrumente nie weit entfernten, ließ sich ohne weiteres voraussagen, daß der ganze Zirkus in Spazierweite war und bald zurückkehren würde. Ich hatte, wie ich mit Dankbarkeit begriff, die Pause erwischt.

Ich bahnte mir einen Weg zum Fenster und schaute hinaus. Keine Spur von zurückkehrenden Finns. Die Woh-

nung befand sich im obersten Stockwerk eines Hauses, zwei oder drei Straßen hinter dem Hyde Park, und hinter den Dächern sah ich das Licht der untergehenden Sonne die grüne Kuppel der Albert Hall bestrahlen. Das Royal Institute of Music, wo einer meiner Onkel lehrte, erhob sich daneben als massiver, dunkler Bau. Die große, luftige Wohnung, das Hauptquartier der Familie Finn, wurde von meinem Vater aus Zweckmäßigkeitsgründen gehalten, da sie sich in unmittelbarer Nähe der Stätten befand, wo so viele ihrer Mitglieder von Zeit zu Zeit arbeiteten. Ich war der Außenseiter.

Die Talente, mit denen beide Familien meiner Eltern so reich gesegnet waren, hatten sich nicht auf mich vererbt. Das war ihnen schmerzhaft zum Bewußtsein gekommen, als ich im Alter von vier Jahren zwischen den Tönen einer Oboe und einem Englischhorn nicht zu unterscheiden vermochte.



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