«Ich versuch’s mal mit Ölfarben«, sagte sie, nahm einen Pinsel und tupfte eine Stelle auf dem Bild an,»aber es geht nicht besonders gut, zum Kuckuck.«

«Dann bleib doch bei Kohle«, meinte ich. Sie hatte mit fließenden Linien die Rennpferde gezeichnet, die in meinem Schlafzimmer hingen, nicht anatomiegetreu, aber voll Leben und Bewegung.

«Das da mach’ ich wenigstens fertig«, sagte sie.

Sie drückte Karminrot aus einer Tube.

Ohne mich anzusehen, fragte sie:»Was gibt’s?«

Ich schwieg. Sie drehte sich um, den Pinsel noch in der erhobenen Hand, und sah mich ein paar Sekunden lang gelassen an.

«In der Küche habe ich ein Steak«, bemerkte sie.

Eine Gedankenleserin, meine Cousine Joanna. Ich lachte sie an und ging hinaus in den langen, schmalen Anbau, wo sie sowohl badete als auch kochte. Es war Rumpsteak, dick und dunkelrot. Ich grillte es zusammen mit ein paar Tomaten und machte Salatwürze für den Kopfsalat, den ich vorbereitet in einer großen Holzschale gefunden hatte. Als das Steak fertig war, schnitt ich es durch, tat es auf zwei Teller und trug das Ganze zu Joanna hinein. Es roch herrlich.

Sie legte ihren Pinsel weg und kam zum Essen herüber. Die Hände wischte sie sich an ihrer Hose ab.

«Das eine muß man dir lassen, Rob, du kochst nicht übel«, sagte sie.

«Danke ergebenst«, antwortete ich mit vollem Mund.

Wir aßen alles auf. Ich war als erster fertig, lehnte mich zurück und sah ihr zu. Sie hatte ein faszinierendes Gesicht, voll Kraft und Charakter, mit geraden dunklen Brauen und, heute abend, ohne Lippenstift. Sie hatte ihr kurzes, gewelltes Haar hinter den Ohren glattgekämmt, aber oben fiel es doch ein bißchen wuschelig in die Stirn.



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